Text: Aline Müller       Foto: www.Slawik.com

Über die Kraft der Diagonalen eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Das Pferd kann seinen Stärken gemäß gefördert werden, und Leistungsgrenzen können neu definiert werden. Dazu ist es wichtig, sich mit der Biomechanik und Anatomie des Pferdes, aber auch mit seiner Natur auseinanderzusetzen

Wer schnell ans Ziel kommen will, muss manchmal einen Umweg gehen. In der Pferdeausbildung ist Mit- und Umdenken unglaublich wichtig. Nur so können wir ein Verständnis für unser Pferd entwickeln und die Ausbildungsmethoden entsprechend anpassen. Dazu gehört auch Selbstreflexion – und zwar während des gesamten Ausbildungsweges. Gabriele Rachen-Schöneich und Klaus Schöneich befassen sich schon lange mit dem Thema Schiefe des Pferdes und dem Geraderichten. „Wir therapieren nicht im Sinne der Medizin, sondern wir trainieren und gymnastizieren einmal geschädigte Pferde gesund, die durch verschiedenste Einwirkungen, die eben durch die natürliche Schiefe entstanden, in diese Situation geraten sind“, schreiben sie in der Einleitung ihres neuen Buches „Die Kraft der Diagonalen“. Ebenso begleiten sie rohe Jungpferde durch die geraderichtende Arbeit auf ihrem Weg zum Reitpferd. „Was an der Longe mit der Schiefen-Therapie beginnt, wird anschließend unter dem Sattel im anatomisch richtigen Reiten fortgesetzt“, so unsere Experten. Die Gymnastizierung des Pferdes steht im Mittelpunkt und somit auch die körperliche und psychische Entwicklung bis hin zum Verständnis des Pferdes für seine eigenen Bewegungen.

Korrekter Muskelaufbau

Wenn wir mit einem Jungpferd mit der Ausbildung beginnen, sind wir mit der natürlichen Schiefe konfrontiert. Sie ist etwas ganz Normales. Wird allerdings im Laufe der Ausbildung nicht an der Geraderichtung gearbeitet, dann führt die Schiefe zu Kompensationsmuskeln, mit denen das Pferd versucht, den Anforderungen des Reiters gerecht zu werden. Langfristig beeinträchtigt dies das Wohlbefinden und die Gesundheit. Reitern ist es bewusst, dass Muskelaufbau ein wichtiger Punkt ist. Gabriele Rachen-Schöneich und Klaus Schöneich betonen aber, dass Bewegungsmuster verändert werden müssen, damit sich Muskeln korrekt entwickeln. Schließlich wünschen wir uns alle ein glückliches und gesundes Pferd. Dazu gehört aber nicht nur, dass ein Pferd nicht 23 Stunden am Tag in der Box steht und Sozialkontakte hat. Für das Reitpferd sind auch die Balance und das Gleichgewicht wichtig, damit es zufrieden ist. Hier ist es nötig zu betonen, dass es um Pferde geht, die einen Reiter auf dem Rücken tragen sollen. Steht zum Beispiel ein Rentnerpferd nur noch mit seinen Kumpels auf der Weide, kann das natürlich auch Pferdeglück bedeuten. Wollen wir ein Pferd reiten, müssen wir die Biomechanik eines Fluchttieres sozusagen in die eines Athleten umwandeln. Dazu gehört, ihm neue Bewegungsmuster zu vermitteln, die ihm erlauben, das Reitergewicht zu tragen, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Die Natur achten

Betrachten wir das Pferd in seinem ursprünglichen Lebensumfeld mit seinem natürlichen Bewegungsverhalten als Flucht- und Steppentier, dann wird uns klar, dass wir seine Herkunft und Natur auch bei der Ausbildung zum Reitpferd nicht ignorieren können. „Anatomie und Biomechanik sind auf dieses Lebensumfeld abgestimmt und haben sich trotz jahrtausendealter Domestizierung nicht verändert“, betonen Gabriele Rachen-Schöneich und Klaus Schöneich. Werde dieser Aspekt missachtet oder unterschätzt, könne das für den Menschen auf Dauer nur in Ratlosigkeit und für das Pferd in einer Behandlungsspirale enden. Eine lebenssichernde Maßnahme für das Flucht- und Steppentier ist zum Beispiel die Witterungsaufnahme und somit die hohe Kopfhaltung. Wird dabei eine Gefahr erkannt, reagiert das Pferd mit Flucht. Dabei bleibt die Hinterhand länger auf dem Boden, um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen. „Das bedeutet, die Hinterbeine treten hinter dem Körper aus dem Schwerpunkt heraus.

Den kompletten Text finden Sie in der aktuellen Mein Pferd- Ausgabe.