Text: Nora Dickmann    Foto: imago images/ Sven Simon

Mannschaftswelt- und Europameisterin sowie Vier-Sterne-Siegerin Ingrid Klimke hatte ihr „Weltpferd“ Escada FRH aus dem Sport verabschiedet, als es gerade mal 13 Jahre alt war. Nun genießt die Stute das Leben mit ihrem Fohlen.

Escada FRH ist eine Stute, die Ingrid Klimke wohl nie mehr vergessen wird. Viele gemeinsame Erfolge, wie Mannschaftsgold und Einzelbronze bei der EM 2013 in Malmö, Mannschaftsweltmeisterin in der Normandie 2014 oder Vier-Sterne-Siegerin in Luhmühlen 2015, konnte die Reitmeisterin mit der Embassy-Tochter feiern. 2004 geboren, startete die braune Stute vierjährig unter Andreas Brandt bei den DKB-Bundeschampionaten und wurde mit ihm 2011 Vizeweltmeisterin der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde. Danach erst wechselte sie zu Ingrid Klimke in den Stall nach Münster. Seitdem wurde die Stute von der Reitmeisterin erfolgreich vorgestellt. Sie bezeichnet das Pferd als geschmeidig und elastisch, mit viel Vermögen und tollem Charakter. Mit ihr konnte Klimke den Titel Berufsreiterchampion in Marbach gewinnen, CIC**- und CIC***-Platzierungen erreiten sowie Mannschafts-Gold und Einzel-Silber bei den Europameisterschaften 2013 in Malmö erzielen. Neben dem Vermögen in den Vielseitigkeitsprüfungen startete das Paar auch in S-Dressuren sowie in Springen der Klasse M**. Auch wenn Escada sich anfangs schwertat, während der Aufgaben gehorsam zu sein und auf ihre Reiterin zu hören, gelang es Ingrid Klimke mit viel konsequenter und ruhiger Arbeit, aus Escada ein rittiges Dressurpferd zu machen. Im Parcours und im Springen zeigte die Stute schnell ihr Vermögen und ihre Liebe für die Aufgaben, die sie spielerisch löste.

Doch bei dem letzten gemeinsamen Start während des Pfingstturniers in Wiesbaden 2017 dann der große Schock: Nachdem das Paar nach der Dressur- und Springprüfung geführt hatte, lahmte Escada plötzlich kurz vor Ende der Geländeprüfung. Die Stute wischte vor dem vorletzten Hindernis zweimal vorbei. Völlig untypisch für sie! Nach der tierärztlichen Untersuchung stand fest, dass die alte Bandverletzung erneut zurück war. Aufgrund dieser Verletzung musste das Pferd bereits 2016 pausieren und konnte nicht an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Nun also wieder die gleiche Verletzung. Dieses Mal bedeutete dies das Karriereende von Klimkes Wunderpferd. „Eine gründliche tierärztliche Untersuchung von SAP Escada FRH hat ein erneutes Auftreten ihrer Bandverletzung ergeben. Um kein weiteres Risiko für Escada einzugehen, rät unsere Tierärztin von weiteren sportlichen Einsätzen ab. Die Besitzerin Madeleine Winter-Schulze, der FRH, das DOKR und ich sind uns einig, dass wir die sportliche Karriere ,unseres Weltpferdes‘ Escada zu seinem Wohl beenden“, hieß es damals auf der Homepage der Vielseitigkeitsreiterin.

Ein Schock für die Sportwelt. Aber auch ein Anfang einer neuen Ära der Erfolgsstute. Denn die Besitzer wollten den wertvollen Charakter der Stute und das Vermögen nicht ungenutzt auf der Wiese verweilen lassen. Die Stute wechselte erneut den Stall, zurück in die Heimat zu Familie Stuhtmann, wo sie 2004 zur Welt gekommen war. Dort werde Escada nun als Zuchtstute eingesetzt und könne als „Supermama“ ihr Leben genießen, so Ingrid Klimke auf ihrer Homepage weiter. Im Mai 2019 kam dann das erste Stutfohlen von Conthargos zur Welt. Mit diesem Vater wird sich das Springvermögen weitervererben, und man kann sich auf eine tolle Nachzucht der ehemaligen Top-Stute Ingrid Klimkes freuen. Diese kam während der gemeinsamen Karriere gar nicht mehr aus dem Schwärmen über ihre Stute heraus und beschrieb sie als ausdrucksstark, lebendig und mutig. Sie habe immer das Beste für ihre Reiterin gegeben und eine außergewöhnliche Leistungsbereitschaft gezeigt.

Auch jetzt als Mutter sei Escada sehr fürsorglich und ihre Tochter bereits voller Energie. Escada FRH bleibt der Sportwelt also in gewisser Weise auch nach ihrem Ausstieg treu.