Text: Nora Dickmann         Foto: dpa/ Tacey Nearmy

Das englische Vollblut galt als eines der besten Rennpferde der Welt. Er ist das erste und bisher einzige deutsche Siegerpferd im Melbourne Cup. Mittlerweile ist der Hengst in der Zucht tätig

Protectionist wurde am 21. März 2010 auf dem Union-Gestüt in Eitorf geboren und kann auf eine beeindruckende Familiengeschichte zurückblicken. Seine Ururgroßmutter Pawneese gewann im Jahr 1976 neben den englischen Oaks auch den französischen Prix de Diane und die King Gerorge VI and Queen Elizabeth Stakes. Sein Vater, Monsun, war einer der bedeutendsten deutscher Vererber der letzten Jahrzehnte und konnte auch nach seiner erfolgreichen Karriere als Rennpferd in der Zucht überzeugen. Als Protectionists Mutter Patineuse von Monsun gedeckt wurde, wurde das Foal-Share-Verfahren angewendet. Das bedeutet, dass der Hengstbesitzer, hier Georg Baron von Ullmann, den Hengst kostenlos zur Verfügung stellt und dafür von dem Stutenbesitzer einen Besitzanteil – meist 50 Prozent – des Fohlens bekommt. Im Falle von Protectionist kaufte der Stutenbesitzer den Ullmann-Anteil bereits vor dem ersten Trainings des Jungpferdes.

Mit zwei Jahren debütierte der braune Hengst am 9. September 2012 auf der Neuen Bult in Hannover und siegte sofort. Im gleichen Alter musste er sich im Herzog-von-Ratibor-Rennen (Gruppe III) in Krefeld knapp hinter Flamingo Star einreihen, der eines der besten Pferde des Jahrgangs werden sollte. In diesem Rennen zog sich Protectionist eine Unterschenkelfissur zu, die ihn in seiner Karriere schwer zurückwarf.

Ein Jahr später konnte er sich den dritten Platz bei der Baden-Badener Derby-Qualifikation sichern. Sechs Wochen später gewann er mit vier Längen in Bremen und konnte sich so für das Deutsche Derby in Hamburg qualifizieren. Nach einem Unfall, bei dem Protectionist mit einem Stallkollegen kollidiert war, wurden den Hoffnungen auf einen Sieg in Hamburg jäh ein Ende bereitet. Er erlitt einen Griffelbeinbruch, und seine Karriere schien beendet.

Aber dann kam der zähe Hengst zurück. Vierjährig wurde er Zweiter beim Preis von Dahlwitz in Hoppegarten und feierte damit sein Comeback nach seiner schweren Verletzung. Sechs Wochen später der zweite Platz beim Großen Preis der Badischen Unternehmer (Gruppe II). Der erste Sieg nach seiner Verletzung ließ nicht lange auf sich warten. Noch im selben Jahr triumphierte der Hengst beim Hansa-Preis über 2.400 Meter in Hamburg und mit einem Sieg beim Prix Kergolay in Frankreich empfahl er sich dann endgültig für den Melbourne Cup, das bedeutendste Langstreckenrennen der Welt. Auch wenn Protectionist von seinem Züchter Christoph Berglar an das Australian-Bloodstock-Syndikat verkauft wurde, blieb er bis zum Melbourne Cup bei seinem Trainer Andreas Wöhler und zur Hälfte im Besitz seines Züchters. Am 4. November 2014 schrieb der Braune dann Geschichte vor mehr als 100.000 Zuschauern: Mit vier Längen Vorsprung setzte er sich gegen 21 Konkurrenten beim Langstreckenrennen in Melbourne durch und gewann sechs Millionen Australische Dollar. Umgerechnet sind dies circa 4,3 Millionen Euro und damit das höchste Preisgeld, das ein deutsches Rennpferd bisher gewann. 
Nach diesem Triumph siedelte das Pferd nach Australien über und wurde Kris Lees unterstellt. Protectionist kam mit den australischen Trainingsmethoden nicht zurecht, die im Übrigen in Deutschland immer öfter auf Unverständnis stoßen. Trotz andauernder Krankheit lief er in acht Rennen. Dabei konnte der Hengst aber nie an die Erfolge, die er in Deutschland errang, anknüpfen.

Ende 2015 wurde er dann wieder nach Deutschland zu seinem alten Trainer Andreas Wöhler ins Training gebracht. Er war schockiert, wie übergewichtig und psychisch und physisch schwer angeschlagen das Tier ankam. Doch konnte es nach einer Erholungsphase im Jahr 2016 ein kleines Aufbaurennen in Düsseldorf laufen. Dieses gewann er ohne Probleme. Nach ebenso leichten Siegen im Hansa-Preis in Hamburg und im Großen Preis von Berlin in Hoppegarten bezeichnete man sein drittes Comeback als geglückt. Allerdings zog er sich während des letzten Rennens eine Zerrung zu und beendete seine Rennkarriere beim Canadian International in Woodbine bei Toronto. Hier belegte er allerdings nur den letzten Platz. Nach dem enttäuschenden Ende seiner Rennkarriere wurde er auf dem Gestüt Röttgen als Deckhengst aufgestellt. 
Auch wenn der ehemalige Rennstar seine Frühreife bisher nur bedingt an seine Nachkommen weitergegeben hat, begeistert er bis heute die Pferdewelt. Kira Kaschekt, die langjährige Betreuerin des Tieres im Rennstall Wöhler, veröffentlichte 2020 mit dem Roman „Herzschlagfinish“ die Geschichte von Protectionist.