Text: Aline Müller | Foto: Daniel Elke

Vor sieben Jahren hat sich Marius ­Schneider dazu entschieden, auf Burg Kakesbeck im Münsterland ein einzig­artiges Reit­zentrum ins Leben zu rufen. Hier trainiert der ­klassische Ausbilder nicht nur ­Pferde, sondern auch sein Jagdteam, ­bestehend aus Hund, Falke und Frettchen.

Imposante Backsteingebäude, umgeben von Wassergräben und großen Torbögen – auf Burg Kakesbeck spürt man den Geist der alten Ritterzeiten. Sie ist die ­älteste von drei erhaltenen Wasserburgen in Lüdinghausen, einer Stadt südwestlich von Münster. Der historische Charme sorgt gleichzeitig für eine angenehme Ruhe. Wer den anliegenden Hof betritt, hat das Gefühl, den Alltag bewusst hinter sich lassen zu können. Es ist Januar, ein rauer Wind weht über die flachen Felder, und die Pferde auf den Paddocks genießen die vereinzelten Strahlen der Mittagssonne. Seit sieben Jahren betreibt Marius Schneider in diesen historischen Gemäuern erfolgreich ein ganz besonderes Reitzentrum. Der klassische Ausbilder setzt sich für den Erhalt der Lehren alter Meister und für die Forschung an der Akademischen Reitkunst ein. Die Ausbildung von Pferd und Reiter ist seine Passion: „Als wir hierherkamen, haben wir den Hof wieder zum Leben erweckt“, erinnert sich Marius Schneider und fügt hinzu: „Aufgrund des historischen Kerns kann hier zwar keine moderne Reitanlage entstehen, aber gerade das gefällt mir. Wir nutzen die alten Gebäude und sorgen für neue Funktionalität, um die Pferde artgerecht zu halten und zu trainieren. Jedoch möchte ich nicht, dass der alte Flair verloren geht.“

An die Gegebenheiten anpassen

Nach einer Runde über die Anlage sitzen wir an einem großen, antiken Holztisch und wärmen unsere Hände an einer Tasse Kaffee. Dabei läuft der Ofen auf Hochtouren. An den Wänden hängen Gemälde alter Reitmeister. Doch irgendwie sehen deren ­Pferde anders aus als gewohnt. Was ist mit den Vierbeinern von François Robichon de la Guérinière oder William Cavendish Herzog von Newcastle passiert? Marius Schneider lächelt und erklärt: „Ein Freund von mir hat die bekannten Reitmeister auf meinen Pferden gemalt.“ Auch hier trifft Historie auf die moderne Zeit. Eine schöne Interpretation. Während wir uns unterhalten, wuselt plötzlich eine braune Fellnase um meine Beine. Die anderthalbjährige Vizsla-Hündin Finya inspiziert genau, wer da gerade mit ­ihrem Herrchen redet. Sie trägt einen dünnen Wollmantel, denn wenn die Außentemperaturen sinken, kriecht die Kälte schnell durch die alten Gemäuer. „Die hohen Räume sind schwer warm zu halten. Wir müssen uns den Gegebenheiten anpassen“, sagt der Ausbilder. „Aber daran gewöhnt man sich schnell.“ Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Carina wohnt Marius Schneider in dem alten Fachwerkhaus mit Blick auf den Stall. Hinter dem Gebäude führt ein kleiner Steg in den Burggraben, denn dieser ist gleichzeitig ein Fischteich mit natürlichem Artenbestand.

Einzigartiges Ambiente

Da die gesamte Anlage unter Denkmalschutz steht, mussten auch bei der Gestaltung der Reithalle bestimmte Vorschriften eingehalten werden. „Wir haben keine Reithalle, sondern ein Reithaus“, erklärt Marius Schneider. „Der Unterschied ist zum einen das Dach, denn passend zum historischen Anwesen besteht es aus Ziegeln. Zum ­anderen hat das Reithaus nur seitliche Fenster.“ Der Vorteil sei, dass sich im Sommer keine Hitze in der Halle staue, jedoch ­bleibe die Luft im Winter kühl. Zwar fällt im Gegensatz zu modernen Reithallen weniger Licht ein, doch die Ziegeln und ­Gemäuer sorgen gleichzeitig für eine besondere ­Trainingsatmosphäre. ­„Während des Ersten Weltkrieges wurde hier einiges zerstört“, sagt der Ausbilder. „Alles muss immer so aufgebaut werden, dass es zum ­historischen beziehungsweise zum ­Münsteraner ­Ambiente passt.“ Unser Weg in das Reithaus führt durch die Sattelkammer. Wer dort auf engstem Raum einen Dressursattel neben dem anderen oder aneinandergereihte Metallschränke erwartet, liegt falsch. Vielmehr will ich kurz verweilen und die Sattlereikunst bewundern, die sich hier zeigt. In lockerem, entspanntem Tempo geht Marius Schneider voran, gefolgt von seiner jungen Hündin, die bemüht ist, als Erste die Aufstiegshilfe zu erklimmen. Dort sitzt sie nun und beobachtet aufmerksam das weitere Treiben.

Vom Sport zur Reitkunst

Auf Burg Kakesbeck scheint die (Reiter-)Welt noch in Ordnung zu sein. Kaum zu glauben, dass Marius Schneider zunächst im Sport erfolgreich war, bevor er den Weg zur Reitkunst fand. „Ich bin tatsächlich auch ausgebildeter Berufsreiter und Meis­ter“, ­lächelt der Ausbilder, der zudem alle Trainerlizenzen nach FN-Richtlinien ­besitzt. „Neben meiner Arbeit an internationalen Sportställen bin ich schon sehr früh dazu gekommen, mich für klassische Ausbilder zu interessieren“, erinnert sich Marius Schneider. Mit 16 oder 17 Jahren nahm er mit einem seiner Sportpferde an einem Kurs bei Bent Branderup teil, allerdings sei er zu der Zeit noch sehr sportlich orientiert gewesen. „Was mich jedoch faszinierte, war die Leichtigkeit, mit der klassisch ausgebildete Pferde und Reiter Lektionen ausführten“, betont Marius Schneider. Sein damaliges Pferd sei kein spektakulärer Treter gewesen. „Er musste korrekt geritten werden, um auf Turnieren zu überzeugen. Als ich angefangen habe, Elemente der Klassischen und Akademischen Reitkunst in mein sportlich orientiertes Training zu integrieren, ist mein Pferd immer besser geworden“, erinnert sich der Ausbilder und fügt hinzu: „Er wurde so sicher in den Lektionen und so stabil in Form und Balance, dass die Richter nicht an ihm vorbeischauen konnten.“ Zwar habe er keine Chance gegen überdurchschnittliche Dressurpferde gehabt, habe jedoch bis zur Klasse S siegreich gearbeitet.

…den gesamten Artikel – inklusive toller Trainingstips von Marius Schneider – finden Sie in der Mein Pferd-Ausgabe 3/19.