Interview: Anna Kaufmann/Nicole Audrit           Foto: Gaby Geibel

Beim Barrel Racing umreiten Pferd und Reiter in rasantem Tempo drei Tonnen in vorgeschriebener Reihenfolge – nämlich in Form eines Kleeblattes. Die Disziplin aus dem Bereich des Westernreitens stammt aus Amerika, aber auch in Deutschland findet sie immer größeren Anklang. Werner Maximilian Lieb, Präsident der „National Barrel Horse Association“ in Deutschland, erklärt, worauf es beim Barrel Racing ankommt (www.nbha-of-germany.de)

Was versteht man unter Barrel Racing, und wie entstand diese Disziplin?

Barrel Racing ist ein Wettbewerb, bei dem auf Zeit drei Tonnen in einer bestimmten Reihenfolge (siehe Illustration) umritten werden müssen. Zuerst werden dabei die beiden vorderen Tonnen, von innen nach außen, in Form einer Acht umritten. Dabei ist es dem Reiter selbst überlassen, ob er mit der rechten oder der linken Tonne beginnt. Nach der zweiten Tonne führt der Weg zur Speed-Tonne: Diese erhielt ihren Namen, da auf dem Weg zu ihr noch mal richtig Tempo aufgenommen werden kann. Nach dem Umrunden der Speed-Tonne sollte möglichst schnell zwischen den beiden ersten Tonnen hindurch über die Ziellinie geritten werden. Generell dürfen die Fässer berührt, aber nicht umgestoßen werden. Letzteres führt zu fünf Strafsekunden oder zur Disqualifikation, je nach Turniermodus. Wenn die Tonnen nicht richtig herum oder nicht in der richtigen Reihenfolge angeritten werden, führt dies immer zur Disqualifikation, da der Parcours in diesem Fall nicht richtig absolviert wurde. Die Disziplin Barrel Racing stammt ursprünglich aus den USA und entstand, da Frauen nicht an den klassischen Rodeo-Prüfungen mit Rinderarbeit und Wildpferd- oder Bullenreiten teilnehmen durften. Aus diesem Grund haben die Frauen eine eigene Organisation gegründet und eigene Veranstaltungen durchgeführt – daraus entstand auch die Disziplin Barrel Racing. In frühen Barrel-Racing-Prüfungen wechselte zunächst das Muster um die Tonnen zwischen einer Acht und einem Kleeblatt. Letztlich wurde jedoch die Acht nicht mehr verwendet und der Fokus auf das anspruchsvollere Kleeblatt-Muster gelegt.

Seit wann gibt es Barrel Racing – sowohl in ihrem Herkunftsland als auch in Deutschland?

Es wird angenommen, dass das Barrel Race zum ersten Mal in Texas stattgefunden hat. Die Women’s Professional Rodeo Association (WPRA) wurde 1948 von einer Gruppe Frauen aus Texas, die sich und den Frauen im Allgemeinen im Rodeo-Sport ein Zuhause schaffen wollten, gegründet. Zu Beginn wurde die Organisation WPRA als Girls Rodeo Association (GRA) bezeichnet und bestand aus nur 74 Mitgliedern. Im Jahr 1981 wurde der Name geändert, und GRA wurde offiziell zu WPRA. Durch diese Organisation wurde es Frauen ermöglicht, an verschiedenen Rodeo-Events teilzunehmen – Barrel Racing bleibt allerdings der beliebteste Wettkampf. Im Jahr 1992 revolutionierte die National Barrel Horse Association of America das Barrel Race, indem der Verein das Divisionssystem einführte. Der Verein hat in Amerika über 23.000 Mitglieder und ist damit der führende Verein in diesem Sport. In Deutschland wurde die National Barrel Horse Association of Germany (NBHA) am 20. Januar 2007 von mir, dem Präsidenten Werner Maximilian Lieb, gegründet, um den Sport auch in Deutschland bekannter zu machen.

Wo liegen die Herausforderungen für Pferd und Reiter? Welche Voraussetzungen müssen beide mitbringen?

Die Kunst beim Barrel Racing besteht darin, die Geschwindigkeit mit der punktgenauen Linienführung in Einklang zu bringen, um dadurch den Parcours in der schnellstmöglichen Zeit zu absolvieren. Es nützt nichts, wenn man auf der Geraden sehr schnell ist, in den Wendungen um die Tonnen jedoch Zeit verliert. Aus diesem Grund müssen die Pferde fein an den Hilfen stehen, wendig und ausbalanciert sein. Außerdem kommt es auf eine gute Verständigung zwischen Reiter und Pferd an – diese müssen als Team agieren. In Deutschland ist das Barrel Racing ein Breitensport, der mit jedem Pferdetyp ausgeübt werden kann – vom Pony, Tinker, Warmblut und Vollblut bis zu den amerikanischen Rassen wie Quarter Horse sind alle Rassen vertreten.

Wie läuft eine Barrel-Racing-Prüfung ab?

Nachdem der Reiter aufgerufen worden ist, begibt er sich im Schritt in den Startbereich. Von dort erfolgt ein fliegender Start im Galopp durch die Zeitmessung. Die Zeit wird genommen, wenn die Lichtschranke auf dem Rückweg durchquert wird. Nach dem letzten Ritt in der Disziplin werden die Divisionen ausgehend vom schnellsten Ritt errechnet. Dies funktioniert folgendermaßen: Wenn der schnellste Reiter beispielsweise eine Zeit von 21 Sekunden hatte, führt er zum einen die Division 1 an, gibt damit aber auch vor, ab welcher Zeit die weiteren Divisionen beginnen. Laut unserem Regelwerk bedeutet das eine Sekunde Unterschied: Daher wird in diesem Beispiel in der Division 2 ab 22 Sekunden, in der Division 3 ab 23 Sekunden, in der Division 4 ab 24 Sekunden und in der Division 5 ab 25 Sekunden platziert. Insgesamt gibt es also in fünf Divisionen Platzierungen. Durch dieses spezielle Wertungssystem haben auch langsamere Pferd-Reiter-Kombinationen eine gute Chance.