Text: Lara Wassermann | Fotos: Daniel Elke

Der Tag beginnt früh für ­Verena Voss, Pferdewirtin und Betriebsleiterin eines ­Pensions- und Ausbildungsstalls im Ruhr-­gebiet. Während die 70 Einstaller noch in ihren Betten liegen, kümmert Verena sich um die Pferde. Als sie den Hof betritt, der nahe ihrem Wohnhaus liegt, wiehern einige Pferde, die genau wissen, wer sie ist und was sie von ihr zu erwarten haben. Die Blondine weiß bei jedem einzelnen Pferd, was es an Kraftfutter kriegt, welches Pferd ein Zusatzfutter dazubekommt und welcher Vierbeiner vielleicht eine kleinere Portion Heu erhält als sein Nachbar: „Ich habe jeden Tag mit den Pferden zu tun. Ich weiß bereits nach kurzer Zeit, wann es ihnen gutgeht und wann nicht. Und natürlich weiß ich auch, welches Futter sie bekommen“, erklärt ­Verena mit einem Lächeln.

Ihre Ausbildung zur „Pferdewirtin Klassische Reitausbildung“ hat sie zum Teil in Düsseldorf, dann am heimischen Hof ihrer Eltern gemacht. Während der Ausbildung wurde sie von Michael Klimke und Franz Joseph Dahlmann, damals Landestrainer der Dressur, unterstützt. Schon in früher Kindheit war Verena pferdebegeistert: „Von Anfang an wurde ich von meinen Eltern im Reitsport gefördert. Da ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen bin, welcher während meiner Kindheit auf Pensionspferdehaltung und Pferdezucht umgestellt wurde, gehörte das Versorgen und Betreuen der Pferde zu meinem Alltag“, so Verena Voss. Auch die Vererbungslehre verschiedener Blutlinien in der Pferdezucht war ein tägliches Thema in ihrer Familie.

Verena Voss hatte schon immer ein sehr großes Talent, und daher haben ihre Eltern immer großen Wert darauf gelegt, dass sie schon früh viele verschiedene Pferde ritt, sodass sie sich in der Zukunft schnell auf verschiedene Typen einstellen kann: „So kam es denn, dass mich schon während der Schulzeit einige Einstaller um Hilfe mit ihren Pferden baten. Dies tat ich dann auch gerne, und häufig konnten wir eine Lösung für das jeweilige Prob­lem finden. Nachdem auch verschiedene Trainer den Anstoß zu meinem heutigen ­Beruf gaben, entschied ich mich dafür.“

Nicht immer nur Ponyhof

Der Traumberuf vieler pferdebegeisterter Menschen ist allerdings körperlich und mental anstrengend. Lange Arbeitszeiten und starke körperliche Belastungen sind bei dieser Berufswahl vorprogrammiert. Neben dem Füttern von Heu und Kraftfutter reitet Verena jeden Tag etwa fünf Pferde. Außerdem hat sie im fliegenden Wechsel Reitschüler, denen sie Unterricht gibt, und ist auch noch dafür zuständig, dass der Reitplatz- und der Hallenboden mit dem Trecker gezogen werden. Bevor sie ihre Berittpferde reitet, müssen diese erst geputzt und fertig gemacht werden. „Von Kollegen höre ich immer wieder, dass sie an ihre körperlichen Grenzen stoßen, besonders, wenn sie es mit Problempferden zu tun haben. Bei mir ist es zum Glück noch nicht so, und ich reite noch gerne“, erklärt Verena. Gerade im Winter ist der Wechsel von der schweißtreibenden Arbeit, also Reiten oder der Stallarbeit, und den darauf folgenden Unterricht, ohne dass Zeit bleibt, sich umzuziehen, riskant: „Im Winter habe ich mich aus diesem Grund schon häufig erkältet, weil ich in verschwitzter Kleidung stundenlang in der kalten Halle stand.“ Doch nicht nur aus diesem Grund fällt ihr die Arbeit im Winter am schwierigsten: „Besonders bei Temperaturen unter null Grad schmerzen beim Reiten die Füße und ganz besonders die Finger. Das ist wirklich schrecklich.“

Unverbrauchte Rohdiamanten

Das Reiten von Jungpferden ist für Verena Voss immer noch eine der schönsten Arbeiten des Tages. Ganz mit sich und der Umwelt im Reinen, longiert sie den braunen Wallach erst ab, bevor sie ihn reitet. Seit drei Monaten ist er unterm Sattel, und er muss alles noch lernen: „Wenn die Jungpferde keine schlechten Erfahrungen gemacht haben und sie einfach neugierig und interessiert aufnehmen, was man ihnen beibringt, dann ist das ein tolles Gefühl“, beschreibt sie ihr Glück. „Es stört mich überhaupt nicht, wenn die Jungpferde temperamentvoller sind. Solange ich mich oben halten kann und sie kontrollierbar sind, ist das einfach alles okay“, scherzt die Pferde­trainerin.

… den kompletten Artikel lesen Sie in der Mein Pferd-Ausgabe 6/18.

Unsere Expertin: Verena Voss reitet seit ihrem sechsten Lebens­jahr und war siegreich bis Dressur Klasse S. Sie ist seit 18 Jahren Trainerin und Pferdewirtin Klassische Reitausbildung und Turnier­richterin. Aktuell hat sie die Verantwortung für die Ausbildung eines großen Pensions- und Ausbildungsstalls. www.reitbetrieb-kartenberg.de