Text: Nicole Audrit | Foto: Daniel Elke

Ein gemeinsamer Ausritt mit Hund und Pferd ist ein tolles Erlebnis. Es gibt allerdings viele weitere Aktivitäten, die gemeinsam mit Hund und Pferd ausgeübt werden können. Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich beispielsweise sogenannte Jump-and-Dog-Wettbewerbe, bei denen zunächst der Reiter mit seinem Pferd einen Springparcours meistert, bevor der Hund mitsamt Besitzer einige Hindernisse überwindet. Kleine Kunststücke machen vielen Vierbeinern Spaß und haben einen großen Vorteil: Hunde und Pferde werden kognitiv beschäftigt, und die Bindung zwischen Mensch und Tier wird gestärkt.

Reiter verbringen viel Zeit am Stall – und somit häufig auch ihre Hunde. Schnell kann bei diesen Langeweile entstehen, die häufig Unarten nach sich zieht. „Jeder Hund braucht einen Job, und der Besitzer ist in der Pflicht, ihm eine Aufgabe zu geben“, weiß Nicole Brinkmann, Besitzerin der Hundeschule „Lieblingsviecher“. Hunde lieben Herausforderungen und fangen schnell an, sich selbst Beschäftigungen zu suchen, wenn sie körperlich oder geistig nicht ausgelastet sind. Häufig sind diese jedoch vom Menschen nicht erwünscht, beispielsweise die Katzenjagd des Jack-Russells oder der Futterdiebstahl des Labradors. Um eine harmonische Zeit mit dem Hund am Reitstall zu verbringen, ist es wichtig bei einem energiegeladenen Hund keine Langeweile entstehen zu lassen. „Die wenigsten Hunde haben vorm Stallbesuch einen längeren Spaziergang hinter sich. Die meisten kommen geradewegs aus dem Haus oder dem Büro, daher sollte vor dem Stallbesuch ein kurzer Spaziergang auf dem Programm stehen“, rät Nicole Brinkmann. Am Stall sollte eine gute Balance­ zwischen Phasen des Wartens – in denen sich der Reiter hauptsächlich mit dem Pferd beschäftigt – und kurzen „Gehirnjogging“-Einheiten für den Hund gefunden werden. Beispielsweise­ muss der Hund während der Pferdepflege gedul­dig auf seiner Decke warten, wird jedoch vor dem Reiten noch mit ein paar Tricks kognitiv beschäftigt. Dabei darf der Hund entweder mit auf den Ausritt, oder er wartet je nach Ausbildungsstand am Rand des Reitplatzes oder im Auto. All dieser Aufwand ist nötig, damit der Hund ebenfalls eine schöne Zeit am Stall hat. „Es ist ein Irrglaube, dass der Hund schon glücklich ist, wenn er nur bei den Aktivitäten des Menschen dabei sein darf. Er ist nur dann glücklich, wenn er nicht nur Begleitung ist, sondern auch eine Aufgabe­ bekommt“, erklärt die Expertin.

Es gibt viele Möglichkeiten einen Hund am Reitstall zu beschäftigen. Diese gehen weit über die normale Begleitung bei einem Ausritt hinaus. Der Hund kann sozusagen eine Assistentenrolle einnehmen und nützliche Gegenstände apportieren: Einige Hunde erwei­sen sich dabei als äußerst lernfreudig und können schon nach kurzer Zeit viele unterschiedliche Begriffe, beispielsweise Hufkratzer und Striegel, unterscheiden. „Außerdem kann der Hund lernen, heruntergefal­lene Gegenstände aufzuheben und dem Reiter im Sattel anzureichen“, gibt Nicole Brinkmann als Anregung mit. Diese Übung hat direkt zwei Vorteile: Der Mensch muss nicht absteigen, und der Hund fühlt sich gebraucht.

Auch gemeinsame Tricks mit Hund und Pferd sorgen für viel Abwechslung und Spaß. Außerdem wächst das Vertrauen der Tiere zueinander, da sich die Tiere besser kennenlernen und lernen, die Reaktionen des anderen einzuschätzen. Sofern also für die Sicherheit beider Tiere gesorgt ist, spricht nichts gegen ein gemeinsames Kunststück. Dabei sind der Kreativität nahezu keine Grenzen gesetzt. Eine nette, relativ leichte Übung ist, wenn der Hund das Pferd an Strick und Halfter führt. Die Terrierhündin Skinny von Nicole Brinkmann hat einen ganz besonderen Trick auf Lager: Nach einigen „Reitstunden“ sitzt sie mit oder ohne Sattel entspannt auf dem Rücken der Stute Mona. Dabei hat sie sichtlich Spaß, und auch ein kleiner Trab ist kein Problem für sie. Auch das Aufsteigen meistert die Hündin mit Bravour: Auf ein Kommando springt sie entweder über den Rücken ihrer Besitzerin oder über eine Aufsteighilfe auf das Pferd. Dieser Trick zieht absolut jeden in seinen Bann, bedarf jedoch einiger Übung.

… Informationen zur rechtlichen Situation beim Mitführen eines Reitbegleithundes finden Sie in der Ausgabe 12/2017.