Text: Anna Castronova     Foto: imago images/ Frank Sorge

Kotwasser ist keine Krankheit, vielmehr ist es ein Symptom, das auf ein Problem im Organismus oder in der Psyche des Pferdes hinweist. Und der Auslöser Nummer eins ist sozialer Stress.

Es gibt Zeiten, da ist ein bisschen Kotwasser völlig normal. Dazu gehören das An- und Abweiden oder aufregende Situationen wie Turnierstarts oder Stallwechsel. Wenn die braune Brühe aber nicht innerhalb weniger Tage von selbst wieder verschwindet, sollten Sie auf Spurensuche gehen. Denn Kotwasser ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass etwas mit Ihrem Pferd nicht stimmt – sei es körperlich oder psychisch. Das Problem: Es gibt zahlreiche Ursachen, und oft hat man es gleich mit mehreren gleichzeitig zu tun. Egal wie gründlich man sucht – manchmal ist dennoch kein eindeutiger Auslöser zu benennen. Das macht die Therapie schwierig.

„Kotwasser ist ein nicht sehr gut untersuchtes Thema in der Tiermedizin, dazu gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagt Tierärztin Dr. Claudia Gick aus München. „Deshalb stützt sich die Therapie auf Praxiserfahrungen, Annahmen und verschiedene Lösungsansätze von Tierärzten und Heilpraktikern.“ Dabei haben sich vor allem zwei Bereiche herauskristallisiert: Fütterung und sozialer Stress.

Mit Durchfall hat die Flüssigkeit nichts zu tun. Hat ein Pferd Kotwasser, setzt es getrennt von den Pferdeäpfeln eine schwarz-bräunlich gefärbte, nicht gebundene Flüssigkeit ab. „Je nach Schweregrad sind es zwischen einem Viertelliter und anderthalb Litern pro Tag, die die Pferdebeine hinablaufen“, sagt Dr. Gick und empfiehlt: „Reinigen Sie die Spuren an Schweif, Schenkeln und Sprunggelenken regelmäßig mit lauwarmem Wasser, sonst können schmerzhafte Hautentzündungen auftreten.“

Wichtig: Pferde mit Kotwasser sollten zunächst immer von einem Tierarzt untersucht werden, denn die besten Erfolge bringt immer noch eine gründliche Diagnose. Der erste Verdacht gilt dabei in der Regel einer Störung im Magen-Darm-Bereich – das ist naheliegend. „Alles, was den Darm reizt, kann Kotwasser auslösen“, erklärt die Tierärztin. „So verursachen etwa Raufuttermangel und zu lange Fresspausen oft Magen- und Darmreizungen.“ Ursächlich für Kotwasser können dabei leichte Reizungen bis hin zu schweren Entzündungen des Magens, des Dünn- und des Dickdarms sein. „Solche Entzündungen können auch die Folge von massivem Wurmbefall sein“, so Gick. „Deshalb sollten Sie unbedingt Ihr Entwurmungs-Management überprüfen und das Pferd auf Wurmbefall untersuchen“, sagt die Veterinärin. Und noch etwas: „Auch Leberprobleme wirken sich auf die Verdauung aus, daher ist manchmal auch hier die Ursache für Kotwasser zu suchen.“

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