Text: Andrea Grafentin-Lüdemann (THP)     Foto: www.Slawik.com

Bei Stress wollen Pferde fliehen. So hat es die Natur eingerichtet. Gesteuert wird dieses Verhalten von mehreren Botenstoffen im Gehirn. Wird der Stress jedoch zum Dauerbrenner, kann das zu verschiedenen pferdetypischen Erkrankungen führen. Warum Pferde so anfällig für Stress sind und was wir dagegen tun können

Als Fluchttiere brauchen Pferde sehr feine Sinne, um ihr Gehirn ständig mit Informationen aus der Umgebung zu versorgen. Nehmen sie mit diesen etwas Beunruhigendes wahr, schüttet das Pferdegehirn im Bruchteil einer Sekunde Hormone aus, die in der Nebenniere zur Freisetzung von Adrenalin und Cortisol führen. Und zwar zwölf Mal mehr Adrenalin und 35 Mal mehr Cortisol als beim Menschen in einer Stresssituation!

Wann geraten Pferde in Stress? Da kommt vieles in Betracht. Die allgemeinen Haltungsbedingungen spielen beispielsweise eine große Rolle. Pferde brauchen viel Bewegung an der frischen Luft, sie brauchen Kontakt zu anderen Pferden und müssen ihrem natürlichen Futterrhythmus nachgehen können. Transporte, (häufige) Herden- oder Stallwechsel oder das Alleinsein machen den Tieren zu schaffen, genauso wie Über- und Unterforderung oder auch Schmerzen. Letztlich genügt schon ein ungeliebter Boxennachbar.

Verspürt ein Pferd also etwas Beunruhigendes, werden unweigerlich Adrenalin und Cortisol in hohen Mengen freigesetzt. Das ist hin und wieder auch in Ordnung. Zum Dauerbrenner sollte Stress also nicht werden – und schon gar nicht zu einem dauerhaften Stoffwechselzustand. Denn das kann die Ursache für viele Erkrankungen sein. Dazu zählen beispielsweise:

◾ Gastritis/Magengeschwüre/Kotwasser

◾ Hufrehe

◾ Atemwegserkrankungen

◾ Herzerkrankungen

◾ Arthrose/Sehnen- und Muskelbeschwerden

◾ Abwehrschwäche

◾ EMS

◾ Arteriosklerose

◾ Cushing

◾ Lebererkrankungen

◾ Hautprobleme

Wieso Stress Pferde krank macht, lesen Sie in der Ausgabe 01/2021.