Text: Anna Castronovo     Foto: Getty Images

Vor allem die schleichende Form der Periodischen Augenentzündung ist tückisch. Unbemerkt und unbehandelt, zerstört sie Strukturen im Auge und führt zur Erblindung.Die letzte Möglichkeit ist dann oft die Entfernung des Auges

Früher hieß die Periodische Augenentzündung Mondblindheit und war ein Gewährsmangel – der medizinische Begriff für die periodische Augenentzündung lautet Equine rezidivierende Uveiti (ERU). Diese immer wiederkehrende Entzündung der Gefäßhaut im Auge tritt entweder in Schüben auf oder sie wird schleichend schlechter. „Dann ist sie besonders tückisch“, sagt die Fachtierärztin Dr. Veronika Klein. „Unbemerkt und unbehandelt, zerstört sie nämlich Strukturen im Auge und führt zur Erblindung.“

Die Entzündung kann einseitig, aber auch beidseitig auftreten. „Wenn bereits ein Auge entzündet ist, liegt das Risiko, dass das andere Auge auch erkrankt, bei 30 bis 35 Prozent“, so Klein. Damit stellt die Periodische Augenentzündung weltweit die häufigste Ursache für Erblindung von Pferden dar.

Ursache ungeklärt

Die Ursachen für diese Entzündung sind immer noch nicht vollständig geklärt. „Die heute wissenschaftlich akzeptierte Hypo these ist eine immunassoziierte Erkrankung mit verschiedensten Ursachen“, erklärt Dr. Klein. „Diese sind je nach geographischer Lage unterschiedlich. Diskutiert werden Leptospiren, Streptokokken, Virusinfektionen, allergische Reaktionen, Autointoxikationen, Autoimmunkomplex-Erkrankungen und auch erbliche Dispositionen.“ Interessant: In den USA handelt es sich meist um eine Autoimmunreaktion, dagegen ist in Europa bei den meisten Fälle eine Leptospiren-Infektionen mitbeteiligt.

Das Problem: Die Leptospiren-Infektion kann ohne Symptome verlaufen und erst Monate bis Jahre später eine Entzündung im Auge auslösen. Leptospiren sind Bakterien, deren Hauptwirte Nagetiere sind, zum Beispiel Mäuse – und die sind in den meisten Ställen sehr präsent. „Die Bakterien werden bei kranken Tieren mit dem Urin ausgeschieden. Deshalb stellen verunreinigte Futtermittel und Wasser sowie feuchte Böden oder Gewässer die Hauptquelle für Infektionen dar“, so Dr. Klein. „Die Bakterien sind temperaturabhängig und kommen daher vermehrt im Sommer und Herbst vor. Aufgenommen werden sie durch Schleimhäute und verletzte Haut.“ Mäusebekämpfung in den Ställen ist die einzige Möglichkeit, um wirksam vorzubeugen, denn eine Impfung gibt es noch nicht. „Im Einzelfall kann aber aus den bestandsspezifischen Leptospiren ein Impfstoff nach der Anzüchtung hergestellt werden“, erklärt die Fachtierärztin. „Dieser wirkt dann aber nur für diese eine Leptospiren-Serogruppe in diesem einen Stall.“

Die gute Nachricht: Zwar kommen fast alle Pferde irgendwann in ihrem Leben mit Leptospiren in Kontakt, eine Periodische Augenentzündung entsteht daraus aber bei Weitem nicht immer. „Untersuchungen geben eine Häufigkeit der Krankheit von acht bis zwölf Prozent in der Pferdepopulation an“, relativiert die Tierärztin.

den kompletten Artikel finden Sie in der 02/2021.