Text und Interview: Julia Schay-Beneke        Foto: www.slawik.com

Jeder kennt das beklemmende Gefühl, in einem dunklen Raum nur schemenhafte Bewegungen wahrzunehmen. Genauso geht es Pferden, die von der equinen rezidivierenden Uveitis betroffen sind. Manche sehen nur auf einem Auge, manche verschwommen, manche sind irgendwann blind. Prof. Dr. Dr. med. vet. József Tóth vom Tierärztlichen Kompetenzzentrum Karthaus GmbH erklärt im Interview mit Mein Pferd eine weit verbreitete und doch weitgehend unbekannte Erkrankung.

Vor einigen Wochen starteten wir bei Facebook einen Aufruf. Wir wollten uns ausführlich dem Thema „Periodische Augenentzündung“ (PA) widmen und waren deshalb auf der Suche nach betroffenen Pferden und ihren Besitzern. Innerhalb weniger Stunden trafen die ersten, sehr bewegenden Krankheitsgeschichten bei uns ein – ein paar davon stellen wir auf den nächsten Seiten vor. Offenbar waren mehr Tiere von dieser mysteriösen Erkrankung betroffen, als wir zunächst vermutet hatten. Eine Einschätzung, die uns Prof. Dr. Dr. med. vet. József Tóth kurze Zeit später bestätigte. Er ist Leiter der Augenabteilung am Tierärztlichen Kompetenzzentrum Karthaus GmbH und gilt in der Augenheilkunde bei Pferden als Koryphäe. Im Interview erklärt er uns, was genau die PA eigentlich ist, wie man sie erkennt bzw. warum sie häufig so lange unerkannt bleibt und welche Behandlungsmöglichkeiten Pferdehalter haben. Nicht immer ist eine Entfernung des befallenen Auges, vor der viele zurückschrecken, der einzige Ausweg!

 

Herr Prof. Tóth, woher kommt der Begriff „Mondblindheit“, der häufig für die Periodische Augenentzündung verwendet wird, und wie treffend ist er?

Die equine rezidivierende Uveitis (ERU) ist weltweit verbreitet und die vorherrschende Ursache für eine krankhaft erworbene Blindheit bei Pferden. Ihre typischen Erkrankungssymptome werden für Pferde schon seit der Antike beschrieben. Eine vermutlich erste Erwähnung wird Plinius dem Älteren in seiner Naturalis historia zugeordnet; in spätrömischer Zeit wird in dem veterinärmedizinischen Werk Digesta Artis Mulomedicinae des Flavius Vegetius Renatus erstmals der Begriff Oculus lunaticus für die Krankheit geprägt. Man vermutete damals Einflüsse des Mondzyklus und sah einen Zusammenhang zwischen der abnehmenden Mondphase und der periodisch wiederkehrenden Entzündung, die letztendlich in den meisten Fällen zur „Mondblindheit“ führte.

Sie sagen, die ERU sei weltweit verbreitet. Wie häufig ist sie denn tatsächlich?

Literaturangaben zeigen, dass etwa 8 bis 10 Prozent der Pferde in Deutschland und geschätzte 12 bis 17 Prozent der Pferde in der Welt klinische Symptome der ERU aufweisen.

Gibt es Pferde, die eher betroffen sind als andere, also bestimmte Altersgruppen oder Rassen?

Die Altersverteilung zeigt einen Schwerpunkt bei den jungen adulten Tieren. Es scheint so, dass vor allem die vier- bis zehnjährigen Pferde betroffen sind. Bei einem Viertel der erkrankten Pferde sind beide Augen involviert. Eine Rassenprädisposition wird unterschiedlich diskutiert; neben Appaloosas sind Isländer, Quarter Horses und Warmblüter häufiger davon betroffen als andere Rassen. Interessanterweise konnte beim Appaloosa ein signifikanter Zusammenhang zwischen ERU und Farbe ermittelt werden: Je mehr Farbe beim Appaloosa, desto weniger ERU.

Was genau ist denn unter der Krankheit ERU zu verstehen?

Charakteristisch ist eine wiederkehrende Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea) in nicht vorhersehbaren Intervallen. Die Uvea besteht aus drei Abschnitten: der Aderhaut, der Regenbogenhaut (Iris) und dem Ziliarkörper. Die Folgen dieser wiederkehrenden Entzündung führen zu Schädigungen in Nachbargeweben, z. B. in der Netzhaut.

Kann ich bereits in der Frühphase erkennen, ob mein Pferd an der ERU leidet?

Nicht unbedingt. Bei einem charakteristischen Verlauf tritt die erste Entzündung ohne deutliche äußere Schmerzsymptomatik, z. B. nur mit einer Konjunktivitis, auf. Erst danach kommt es zum ersten akuten, richtig bemerkbaren Entzündungsschub. Darauf folgt wiederum ein entzündungsfreies Intervall von etwa sechs bis zwölf Monaten bis zum zweiten Entzündungsschub. Schließlich erfolgen rezidivierende Entzündungsschübe in immer kürzeren Zeitabständen.

…den gesamten Artikel – inklusive Fallbeispielen unserer Leser, sowie Tipps für den Umgang und die Haltung blinder Pferde – finden Sie in der Februar-Ausgabe.