Text: Nicole Audrit          Foto: imago/Frank Sorge

In vielen Zusammenhängen haben diese Worte eine positive Bedeutung – in Kombination mit Kotwasser allerdings keineswegs. Kotwasser ist ein weit verbreitetes Problem, bei dem sich der Pferdebesitzer unbedingt auf die Suche nach der Ursache machen muss.

Kotwasser ist weder für den Vier- noch für den Zweibeiner angenehm. „Kotwasser wird als nicht im Kotballen gebundenes Wasser definiert“, erklärt Futterexpertin Constanze Röhm. Im Gegensatz zu Durchfall hat der Kot bei betroffenen Pferden eine normale Konsistenz. Sie erklärt zudem, „dass Kotwasser keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom für einen Zustand – ob physisch oder psychisch – ist, mit dem das Pferd zu dem Zeitpunkt nicht umgehen kann.“ Daher sollten Sie nicht direkt ein Zusatzfuttermittel kaufen, sondern zunächst die Ursache ausfindig machen. „Generell wird Kotwasser erst ab einem Zeitraum ab etwa sechs Wochen bedenklich“, so Constanze Röhm. „Temporäres Kotwasser, beispielsweise bei einem Stallwechsel, Transport, Turnier oder einer Veränderung in der Herdenstruktur, ist dahingegen unproblematisch.“ Auch bei einer Futterumstellung – insbesondere zu Zeiten des An- oder Abweidens – kann Kotwasser über einen kurzen Zeitraum vor kommen.

Hygiene ist entscheidend

Da die Haut an den Hinterbeinen durch Kotwasser extrem in Mitleidenschaft gezogen werden kann, hilft nur eine gründliche Hygiene, um gesundheitliche Folgen wie Hautreizungen, offene Wundstellen, Entzündungen, Ekzeme und Mauke zu verhindern. Unabhängig vom Wetter sollten die Hinterbeine des betroffenen Pferdes täglich gereinigt werden. „Für das Säubern der Hinterbeine und des Hinterns sollten unbedingt Handschuhe getragen werden“, rät Constanze Röhm. „Eigentlich sollte das zwar selbstverständlich sein, die Praxis sieht allerdings anders aus.“ Saubere Hinterbeine sind bei betroffenen Pferden leider meist nur von kurzer Dauer. Daher muss der Pferdebesitzer unbedingt die Ursache des Kotwassers ermitteln – dies ist gar nicht so einfach. In der Forschung werden immer noch viele verschiedenen Ursachen beziehungsweise Ursachenkomplexe diskutiert, daher bleibt nur die Möglichkeit der Ausschlussdiagnostik.

Die Nadel im Heuhaufen

Es gibt eine Vielzahl an möglichen Auslösern, daher ist eine umfangreiche Diagnostik notwendig, um das Kotwasser abzustellen. Hauptauslöser sind nach Constanze Röhms Erfahrung auf jeden Fall Stress und Fütterungsfehler. Beide Faktoren können – sobald sie als Ursache identifiziert worden sind – minimiert beziehungsweise sogar ganz abgestellt werden. Dabei hat Stress als Ursache viele Facetten: Am häufigsten liegt sozialer Stress vor. Dieser kann durch einen unliebsamen Boxennachbarn, eine falsche Herdenzusammenstellung oder ein zu geringes Platzangebot im Offenstall – und somit fehlende Ausweichmöglichkeiten – entstehen. Insbesondere rangniedrige Pferde können bei Unruhe in der Herde unter Dauerstress stehen und darauf mit Kotwasser reagieren. Zudem kann Stress auch durch den Menschen verursacht werden, beispielsweise durch Unter- oder Überforderung im Training. Die Fütterung ist der zweite große Auslöser für Kotwasser. Mangelhaftes Fütterungsmanagement lässt sich allerdings gut beheben, so Constanze Röhm: „Zu Beginn der Diagnose bei Pferden mit Kotwasser steht meiner Meinung nach immer eine Rationsbilanzierung. Dadurch werden Über-, Unter – oder Fehlernährungen sichtbar. Häufig verschwinden die Kotwasserprobleme bereits nach einer Anpassung der Ration – ganz ohne teure Pülverchen.“ Die Ration sollte regelmäßig überprüft  und gegebenenfalls angepasst werden, da sich die Bedürfnisse des Pferdes in Abhängigkeit von vielen Faktoren, wie beispielsweise dem Alter, dem Trainingspensum und der Haltung, ändern können. Neben dem Fütterungsmanagement stellt auch die Qualität des Futters, besonders des Raufutters, einen großen Ursachenfaktor dar, so Constanze Röhm: „Raufutter mit schlechter Qualität – beispielsweise durch eine Belastung mit Schimmelpilzen – belastet den Organismus des Pferdes und insbesondere die Leber als wichtiges Verdauungsorgan. Daher ist die Qualität des Futters – sowohl in Bezug auf das Rau- als auch auf das Kraftfutter – entscheidend. Qualitativ schlechtes Futter ist ein häufiger Auslöser von Kotwasser. “ Neben den beiden Hauptursachen Stress und Fütterung sollten schrittweise weitere potenzielle Ursachen ausgeschlossen oder behoben werden.

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