Text: Inga Dora Schwarzer       Foto: Getty Images

„Ihr Pferd ist herzkrank.“ Diese Diagnose erschüttert viele Pferdebesitzer zunächst, denn meist werden Befunde am Herzen zufällig bei Routineuntersuchungen festgestellt. Wie es zu Erkrankungen kommt und was Pferdebesitzer für ihren Vierbeiner tun können, erklärt Dr. Tobias Niebuhr von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Beim Abhören vor Impfungen und Sedierungen, bei einer Voruntersuchung für eine Operation oder einer Ankaufuntersuchung stellt der Tierarzt oft fest, dass ein Pferdeherz nicht einwandfrei funktioniert. Eine überraschende Diagnose für Pferdehalter, insbesondere dann, wenn der Vierbeiner keinerlei Symptome zeigt, die auf ein Problem oder eine Erkrankung des Organs schließen lassen. Bei Dr. Tobias Niebuhr, Oberarzt an der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover, lösen Zufallsbefunde hingegen keine Verwunderung aus. „Das Herz bedient sich verschiedener Kompensationsmechanismen, die es ihm ermöglichen, sich an die unterschiedlichen Leistungsansprüche von Ruhezeiten bis hin zu hohen sportlichen Leistungen anzupassen. Denn es muss in sämtlichen Situationen gewährleisten, dass alle Organe ausreichend durchblutet werden. Wenn geringfügige Herzerkrankungen auftreten, zum Beispiel eine Klappe etwas undicht ist, kompensiert das Herz dieses Problem selbst“, erklärt er.

Mögliche Symptome

Um den Organismus noch ausreichend mit Blut zu versorgen, wendet es verschiedene Maßnahmen an. Dazu zählen unter anderem die Erhöhung der Herzschlagfrequenz, die Zunahme der Blutmenge pro Herzschlag, die Verdickung des muskulösen Herzmuskels, um das Blut kräftiger ausstoßen zu können, und die Senkung des Blutdrucks (etwa durch eine erhöhte Urinausscheidung oder durch das Weitstellen der Blutgefäße). Durch diese Kompensationsmöglichkeiten sind Herzkrankheiten klinisch nicht oder nur sehr schwer erkennbar. „Das bedeutet, dass sie lange keine Symptome verursachen. Erst wenn das Herz mit seinen Regelmechanismen nicht mehr gegen die Erkrankung ankommt, werden Symptome für den Besitzer sichtbar“, so der Experte. Der Pferdekörper kann die Fehlfunktion des Organs nicht mehr ausgleichen, und die Störung tritt offen zutage. Im Fachjargon spricht man von einer beginnenden Dekompensation. „Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, schwerere Klappenerkrankungen oder Vorhofflimmern können sich allerdings durch eine Leistungsschwäche zeigen. Bei schweren Herzerkrankungen wie Herzmuskelentzündungen oder dekompensierten Herzerkrankungen können die Pferde mit Mattigkeit, Atemproblemen, gestauten Gefäßen, erhöhter Herzfrequenz, Ödemen unter der Brust und kolikartigen Symptomen au allen“, zählt Niebuhr weitere Hinweise auf.

Die Herzbeschwerden teilen sich in zwei große Gruppen auf: strukturelle Herzerkrankungen und Erregungsleitungsstörungen. Bei Ersteren treten sogenannte Klappeninsuffzienzen besonders oft auf. „Diese können angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens und Trainings aufgrund entzündlicher oder degenerativer Prozesse einstellen. Hierbei kommt es zu Fibrosierung (Gewebeveränderung) und Formveränderung der Klappen, die dadurch nicht mehr ganz schließen und einen Rückfluss des Blutes gegen die Strömungsrichtung erlauben“, weiß der Oberarzt. Solche Klappeninsuffizienzen können durch verschleppte Bakterien entstehen, die sich aus anderen Entzündungsherden (wie beispielsweise Zahnerkrankungen, Nageltritten und sonstigen eitrigen Prozessen) an den Herzklappen ansiedeln, dort zu Wucherungen führen und die Klappenfunktion beeinträchtigen. Verschleißerscheinungen, wie verkalkte Klappen bei älteren Pferden, können ebenfalls Ursache des Problems sein. „Bezogen auf die Erregungsleitungsstörungen treten häufig Extrasystolen der Vorhöfe oder Kammern und Vorhofflimmern auf “, sagt der Experte. Im Volksmund spricht man von Herzrhythmusstörungen, die in Ruhe nicht ungewöhnlich sind, sofern sie unter Belastung verschwinden. Verstärken sie sich aber unter Belastung, kann man von krankhaften Arrhythmien ausgehen. Hierbei stellt das Vorhofflimmern eine Besonderheit dar.

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