Text: Anna Castronovo              Foto: imago images/ Source

Rückenschmerzen sind bei Reitpferden weit verbreitet. Trotzdem bleiben sie oft unerkannt. Wie kann jeder Pferdebesitzer selbst feststellen,ob der Rücken seines Sportpartners in Ordnung ist oder nicht? Die Osteopathin Gittli Kürten gibt Tipps

Obwohl viele Reiter sich bemühen, ihre Pferde durch Gymnastizierung gesund zu erhalten, zählt der Mensch in Sachen Rückenproblemen zu den Hauptverursachern. Fehlendes Wissen um Anatomie und Physiologie des Pferdes, mangelnde Reitkenntnisse und übertriebener Ehrgeiz sorgen oft dafür, dass es in der Bewegungszentrale des Pferdes nicht mehr rund läuft. Die Anzeichen dafür sind vielfältig und im Anfangsstadium leicht zu übersehen. „Zu Beginn ist das Pferd oft nur etwas unmotivierter und triebiger als sonst, mag sich vielleicht auf eine Seite plötzlich nicht mehr so gerne biegen oder ist in der Anlehnung etwas mauliger“, sagt die Pferdeosteopathin Gittli Kürten. „Auch wenn es Probleme beim Handwechsel oder Angaloppieren entwickelt, unerklärliche Lahmheiten zeigt oder im Galopp immer wieder umspringt, kann das auf Rückenprobleme hindeuten.“

Auffälliger wird es, wenn das Pferd plötzlich Unmut beim Putzen oder Satteln zeigt oder wenn es sich plötzlich nicht mehr hinter den Ohren anfassen lassen möchte. Stellen sich beim Reiten echte Widersetzlichkeiten wie Kopfschlagen, Stampfen, Buckeln oder Steigen ein, verweigert es eine Gangart oder eine Hand komplett, ist Alarmstufe rot angezeigt. Dann muss sofort ein Tierarzt oder Therapeut her. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn Sie regelmäßig selbst überprüfen, ob Ihr Pferd irgendwelche Unregelmäßigkeiten oder Probleme anzeigt.

Die ersten Schritte

„Die erste Frage zum Thema Rückenprobleme beim Reitpferd ist: Passt der Sattel überhaupt optimal?“, sagt Gittli Kürten. „Lassen Sie den Sattel regelmäßig von einem Sattler überprüfen, auch wenn das Pferd keine akuten Probleme hat. Der Pferderücken kann sich verändern, genauso wie die Polsterung des Sattels. Das sind schleichende Prozesse, die lange unerkannt bleiben, aber nachhaltige Probleme auslösen können. Deshalb ist es wichtig, mindestens einmal im Jahr nachsehen zu lassen, ob der Sattel noch perfekt passt – ansonsten ist das Gefühl beim Reiten für das Pferd so, als müssten Sie mit einem unpassenden Schuh wandern.“

Weitere Fragen, die sich jeder Pferdebesitzer immer wieder stellen sollte, sind: Laufen sich die Hufe meines Pferdes gleichmäßig ab? Fußen die Hinterhufe in der Linie der Vorderhufe auf? Bewegt sich das Becken im Schritt gleichmäßig nach oben und vorne? Trägt mein Pferd den Schweif gerade? „Am besten lassen Sie jemand anderen Ihr Pferd führen und betrachten es von hinten. So können Sie den Schweif, die Beckenbewegungen und die Fußspuren am besten beurteilen“, rät Gittli Kürten. „Das ist eine sehr einfache, aber effektive Art, um Unregelmäßigkeiten und Dysbalancen zu erkennen, die aber erstaunlicherweise kaum ein Pferdebesitzer nutzt. Aber ehrlich, jeder kann das.“

Außerdem sollte man sein Pferd auch immer wieder mal von vorne bis hinten abtasten, um Unebenheiten und Temperaturunterschiede des Körpers feststellen zu können. „Streichen Sie dabei erst das ganze Pferd ab, um es mit den Berührungen vertraut zu machen. Das gibt nicht nur Sicherheit und Vertrauen, sondern auch Informationen über den Gemütszustand des Pferdes“, sagt die Osteopathin. „Halten Sie dabei stets mit beiden Händen Kontakt zum Pferd, und achten Sie auf Reaktionen im Gesicht.“ Die Faustregel lautet: Sanfter Druck wirkt entspannender, fester Druck wirkt anregender. „Starten Sie lieber sanft und schließen Sie zwischendurch die Augen, damit Sie besser spüren, ob es Unterschiede gibt. Dann fragen Sie sich: Wie fühlt sich Ihr Pferd an? Locker? Überall gleich warm und fest?“ Wichtig: „Sollten Ihnen Temperaturunterschiede auffallen, holen Sie bitte einen Tierarzt oder Therapeuten, um zu überprüfen, ob sich eine Entzündung oder eine starke Verspannung gebildet hat.“

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Mein Pferd- Ausgabe.11