Interview: Nicole Audrit     Foto: picture alliance / Frank May

„Mit Salz heilen“ – diese Aussage ist zunächst schwierig einzuordnen. Allerdings beschreibt sie das Ziel von Schüßler-Salzen: Ende des 19. Jahrhunderts begann Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler Störungen im Mineralhaushalt des Körpers mit zwölf Mineralverbindungen, die später als Schüßler-Salze bezeichnet wurden, zu kurieren. Claudia Bergmann-Scholvien, Heilpraktikerin für Mensch und Tier und Autorin des Buches „Schüßler-Salze für Pferd und Reiter“(www.vita-farm.de), erklärt, was es damit auf sich hat.

 

Was sind Schüßler-Salze?

„Gesundheit ist das quantitative Gleichgewicht der einzelnen Mineralsalze. Krankheit entsteht erst durch das Ungleichgewicht dieser Mineralsalze“ – diese Aussage von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler aus dem Jahr 1874 verdeutlicht das Einsatzgebiet der Schüßler-Salze. Fehlende Mineralsalze führen über kurz oder lang zu Störungen im gesamten Organismus und im weiteren Verlauf zu den unterschiedlichsten Krankheiten. Dr. Schüßler ordnete den Mangelzuständen des menschlichen Organismus zwölf entsprechende Mineralsalze zu – diese lassen sich auch auf die Behandlung von Tieren übertragen:

• Nr. 1: Calcium fluoratum, das Wachstumssalz

• Nr. 2: Calcium phosphoricum, das Ausbildungssalz

• Nr. 3: Ferrum phosphoricum, das Erste-Hilfe- und Leistungssalz

• Nr. 4: Kalium chloratum, das Schleimhautmittel

• Nr. 5: Kalium phosphoricum, das Nerven- und Muskelmittel

• Nr. 6: Kalium sulfuricum, das Haut- und Fellmittel

• Nr. 7: Magnesium phosphoricum, das Krampf- und Schmerzmittel

• Nr. 8: Natrium chloratum, das Wasserhaushaltsmittel

• Nr. 9: Natrium phosphoricum, das Entsäuerungsmittel

• Nr. 10: Natrium sulfuricum, das Entschlackungs- und Entgiftungssalz

• Nr. 11: Silicea, wichtiger Organbestandteil

• Nr. 12: Calcium Sulfuricum, das Reinigungs- und Regenerationsmittel

Nach dem Tod von Dr. Schüßler im Jahr 1898 wurden im Rahmen der modernen Forschung weitere Mineralstoffe im menschlichen und tierischen Organismus gefunden, sodass 15 sogenannte Ergänzungssalze zur Schüßler-Therapie hinzugefügt wurden. Die Wahl des richtigen Salzes beziehungsweise der Kombination der richtigen Salze ist ausschlaggebend für den Erfolg der Therapie.

Ich habe schon viele tolle Erfolge bei Pferden und auch bei Reitern gesehen, wenn die richtigen Salze gewählt und eine sinnvolle Kombinationen der Salze vorgenommen wurde. Allerdings sind Schüßler-Salze natürlich kein Wundermittel und haben – wie alle alternativen Behandlungsmethoden – ihre Grenzen. Aus diesem Grund erachte ich stets die vernünftige Zusammenarbeit mit einem Tierarzt als sinnvoll, und eben dieser sollte auch umgehend bei Verletzungen und anderen schwerwiegenden Erkrankungen konsultiert werden.

Wie werden die Schüßler-Salze am besten verabreicht?

Schüßler-Salze werden am besten über die Mundschleimhaut aufgenommen: Dort können die feinstofflichen Mineralsalze in die Blutbahn übertreten und an die entsprechende Wirkungsstätte gelangen. Auf diese Weise kommen die Mineralstoffe deutlich schneller an den Zielort im Organismus, als wenn sie den langen Weg über den Verdauungstrakt gehen müssten. Meiner Meinung nach sollte man von der Verabreichung übers Futter absehen und stattdessen die pure Gabe der Tabletten aus der Hand bevorzugen. Alternativ kann man die Tabletten auch in etwas Wasser auflösen und über eine Einwegspritze ins Maul geben.

Schüßler-Salze gibt es als Tabletten, Tropfen und Globuli. Allerdings haben sich die Tropfen in meiner langjährigen Erfahrung bei Pferden nicht bewährt: Sie enthalten Alkohol und werden deshalb vom geschmackssensiblen Pferd ungerne aufgenommen. Die Tabletten hingegen sind auf Milchzuckerbasis hergestellt und werden wegen ihrem leicht süßlichen Geschmack von den meisten Tieren problemlos angenommen.

Kann der Pferdebesitzer die Schüßler-Salze auch selbst anwenden?

Die Behandlung mit Schüßler-Salzen ist relativ einfach und weitestgehend ohne Nebenwirkungen. Im Falle einer Überdosierung werden die Salze einfach vom Körper ausgeschieden. Bei empfindlichen Menschen kann die im Milchzucker enthaltene Laktose abführend wirken. Bei einer normalen Dosierung und der damit aufgenommenen Menge von Laktose, bezogen auf die Körpermaße eines Pferdes, ist eine abführende Wirkung eher selten.

Der Anwendung von Schüßler-Salzen sollte immer eine genaue Diagnose durch einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker vorausgehen, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen und um das passende Salz oder die Kombination aus mehreren Salzen für die jeweilige Erkrankung auszuwählen. Eignet sich der interessierte Pferdebesitzer jedoch das Wissen zur Schüßler-Therapie an, so kann er diese auch selbst anwenden. Schüßler-Salze sind über Apotheken zu beziehen, nicht rezeptpflichtig und somit frei käuflich.