Text: Nora Dickmann    Foto: www.Slawik.com

Müssen dicke Pferde zu extrem abnehmen, kann dies eine massive Störung des Fettstoffwechsels verursachen. Diese Erkrankung wird Hyperlipämie genannt. Für Ponys, Pferde und Esel kann dies lebensbedrohlich sein, da sie über mehrere Tage einer negativen Energiebilanz ausgesetzt sind. Sie sind also auf extremen Futterentzug

Was ist eine Stoffwechselerkrankung?


Unter einer Stoffwechselerkrankung versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Stoffwechselprozesses entsteht. Diese Krankheiten bringen wichtige Kreisläufe des Körpers durcheinander und sind deswegen nicht selten lebensgefährlich für die Tiere.

Wie kommt es zu einer Hyperlipämie?

Hyperlipämie ist keine selbstständige Primärerkrankung, sondern eine sekundäre Fettstoffwechselstörung. Sie ist meist auf Futterentzug oder Trächtigkeit zurückzuführen. Sie kann aber auch Folge anderer Erkrankungen oder Belastungen sein, die die Futteraufnahme drastisch beeinträchtigen oder die Futterverwertung hemmen, wie beispielsweise Parasitenbefall oder Hufrehe. Da die betroffenen Pferde ihren Energiebedarf nicht durch das Futter decken können, müssen sie Fettreserven des Körpers angreifen. Die Leber synthetisiert aus den Fettsäuren Triglyceride, welche wiederum über das Blut im Körper verteilt werden und als Energielieferant dienen. Wird die Leber bei diesem Stoffwechselvorgang durch eine übermäßige Fettmobilisation überlastet, sind erhöhte Triglyceridgehalte im Blut die Folge. Dies führt zu einer milchigen Trübung des Blutserums. Zustände über 5 mmol Triglyceride/l Blut werden als Hyperlipämie bezeichnet. Niere, Leber und andere Organe verfetten dabei krankhaft. Auch der Herzmuskel kann beschädigt werden.

Welche Symptome zeigen die Pferde?


Leidet das Pferd an Hyperlipämie, nimmt es nur sehr wenig bis gar kein Futter auf. Auch die Wasseraufnahme ist stark eingeschränkt. Das Verhalten ändert sich ebenfalls: Die Tiere wirken teilnahmslos und abgeschlagen, meist haben sie auch erhöhte Temperatur und atmen schneller. Das Fell der betroffenen Tiere ist oft matt und struppig. Außerdem nehmen die Pferde innerhalb kürzester Zeit extrem ab. Tragende Stuten verfohlen meist. Durchfall kann ebenfalls ein Anzeichen für Hyperlipämie sein.

Wie wird die Diagnose gestellt, und wie sieht die Behandlung aus?


Mittels einer Blutuntersuchung wird die Fettstoffwechselstörung festgestellt. Mit dieser Erkrankung ist nicht zu spaßen. Sie sollte sehr ernst genommen werden. Je höher der Fettspiegel im Blut ansteigt, desto schlechter sind die Heilungschancen. Auch bei sofortiger Hilfe durch einen Tierarzt können nicht alle Tiere geheilt werden. Die Sterberate, primär durch Leberversagen ausgelöst, liegt aktuell bei etwa 80 Prozent. Die Prognose des Patienten ist jedoch abhängig vom Zeitpunkt des Erkennens der Krankheit und dem Therapiebeginn sowie von dem Zeitpunkt, an dem das Pferd wieder beginnt, selbst zu fressen. Zuerst muss die Primärerkrankung, oder der Stressfaktor, gefunden und behandelt werden. Bei der Behandlung wird die erhöhte Fettfreisetzung aus dem Fettgewebe gehemmt und der Fettüberschuss aus dem Blut entfernt. Dazu werden Insulininjektionen und Heparininjektionen verabreicht. Auch werden schmackhaftes Futter, wie Gras oder breiige Nahrung, und Wasser über eine Nasensonde dem Tier zugeführt.

Kann man vorbeugen?


Normalerweise verhindert ein gesunder Insulinstoffwechsel eine Hyperlipämie, da er den Abbau von Triglyceriden aus dem Fettgewebe hemmt. Bei Pferden oder Ponys, die unter einer reduzierten Insulinsensitivität leiden, wie es beim Equinen Metabolischen Syndrom der Fall ist, ist dieser triglyceridsenkende Effekt im Blut gestört, was zur Entwicklung einer Hyperlipämie führen kann. Grundsätzlich aber gilt: Eine physische Überbelastung der Tiere, vor allem bei hochtragenden Stuten, gilt es zu vermeiden. Ebenso ein weitgehender Futterentzug, wie es beispielsweise bei Rehe-Pferden angewiesen wird. Dicke Tiere sollten einer Gewichtsreduktion unterzogen werden. Hierzu gehört neben einer angepassten Fütterung auch ein umfangreiches Bewegungstraining. Dies sollte bei Stuten jedoch vor der Trächtigkeit durchgeführt werden, um sie nicht in dieser Phase zu stören. Sie sollten in der Trächtigkeit bedarfsgerecht gefüttert werden.