Text: Nicole Audrit         Foto: imago images/ Frank Sorge

Herpesviren sind weit verbreitet: Sowohl Menschen als auch Pferde tragen den Erreger häufig in sich, ohne klinische Symptome zu zeigen. Durch Stress oder andere Auslöser kann der latente Virus, der sich ansonsten im Ruhezustand befindet, aktiviert werden und seine krankmachenden Eigenschaften entwickeln. Die Symptome reichen von einer fieberhaften Atemwegsinfektion über den Abort bis zu Lähmungserscheinungen der Hinterhand.

 

Was ist Herpes beim Pferd?

Der Großteil des deutschen Pferdebestands – Experten gehen von 80 bis 90 Prozent aus – sind latent mit dem Equinen Herpesvirus infiziert. Dies bedeutet, dass die Pferde auch ohne akute Symptome lebenslang Virusträger bleiben. Die meiste Zeit befinden sich die Herpesviren im Ruhezustand. Verschiedene Auslöser – unter anderem Stress – können zu einer Reaktivierung des Virus führen, wodurch es in vielen Fällen zu klinischen Symptomen kommt. Generell wird der Ausbruch einer Herpesinfektion begünstigt, wenn das Immunsystem des Pferdes geschwächt ist – beispielsweise aufgrund von Stress, Vorerkrankungen, Fellwechsel oder Parasitenbefall.

Welche Symptome verursacht Herpes?

Beim Equinen Herpesvirus unterscheidet man zwischen fünf Untergruppen: EHV-1 bis EHV-5. Die Symptome einer Herpesinfektion sind von der Art der Untergruppe des Virus abhängig:

  • EHV-1 führt zu plötzlichen Virus-Aborten – also dem Verfohlen – zwischen dem siebten und zehnten Trächtigkeitsmonat oder zur Geburt lebensschwacher Fohlen. Zudem kann EHV-1 Rhinopneumonitis – eine fieberhafte Infektionserkrankung der Atemwege – verursachen. Die Symptome einer Rhinopneumonitis sind Fieber – in unterschiedlicher Höhe –, Nasenausfluss und Husten.
  • EHV-2 äußert sich meist durch Augenentzündungen.
  • EHV-3 löst Ausschlag an den Geschlechtsorganen aus.
  • EHV-4 ist in den meisten Fällen für Rhinopneumonitis und seltener für virusbedingten Abort verantwortlich.
  • EHV-5 ist bislang wenig erforscht.

Am häufigsten treten EHV-1 und EHV-4 auf. Beide Typen können zudem Schädigungen des Zentralen Nervensystems hervorrufen, die sich in Koordinationsstörungen und Lähmungserscheinun- gen – insbesondere der Hinterhand – äußern. Kommt es zu einer schwerwiegenden neurologischen Schädigung, muss das Pferd häufig als letzten Ausweg euthanisiert werden.

Wie sieht die Diagnose und die Behandlung aus?

Beim Verdacht auf eine Herpeserkrankung muss das betroffene Tier direkt von seinen Artgenossen isoliert aufgestallt und dem Tierarzt vorgestellt werden. Die Verdachtsdiagnose des Tierarztes auf eine Herpesinfektion wird mit labordiagnostischen Verfahren geprüft: Beispielsweise durch einen Nasenrachentupfer, eine Antikörperbestimmung durch eine Blutuntersuchung und bei einem Virusabort durch die Untersuchung des Fohlens.

Herpesviren selbst kann man nicht bekämpfen, daher gibt es keine spezifische, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung. Dazu zählt unter anderem die Verabreichung von fiebersenkenden und entzündungshemmenden Medikamenten. Typisch bei einer Herpesinfektion ist auch das Auftreten einer bakteriellen Sekundärinfektion, die antibiotisch behandelt werden sollte.

Da das Virus hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier übertragen wird, stehen bei einem Verdachtsfall oder einer bestätigten Herpesinfektion die Hygienemaßnahmen zum Schutz des restlichen Bestandes – beispielsweise durch die strikte Trennung von erkrankten und gesunden Tieren – im Fokus. Zwar wird das Virus nicht auf den Menschen übertragen, allerdings kann der Mensch durch Kontakt zu einem erkrankten Pferd Überträger werden – beispielsweise über die Kleidung. Generell empfiehlt es sich, beim gesamten Pferdebestand zweimal täglich Fieber zu messen, um Neuerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Die beste Möglichkeit, einer Herpesinfektion vorzubeugen, sind optimierte Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie ein starkes Immunsystem der Pferde.

Die Impfung gegen Herpes wird häufig diskutiert. Viele Experten halten sie immer noch für ein wichtiges Mittel zur Prophylaxe. Sie ist eine Bestandsimpfung: Der Fokus der Impfung liegt darauf, den Infektionsdruck im Bestand so gering wie möglich zu halten, damit ein Ausbruch der Erkrankung unwahrscheinlich wird. Dafür muss aber der gesamte Pferdebestand eines Stalls geimpft sein. Geimpfte Pferde scheiden deutlich weniger Viren aus als ungeimpfte: Man nimmt an, dass eine Impfung auch den Schweregrad der klinischen Symptome reduziert. Impfstoffe sind nur gegen EHV-1 und EHV-4 verfügbar.

 

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