Text: Alexandra Koch         Foto: Getty Images

Ohne Licht kein Leben – das lernt man schon im Biologieunterricht. Auch wenn es Ausnahmen geben mag: Für die meisten Säugetiere gehört Licht zu den essenziellen Bedingungen für gesundes Leben. Pferde bilden da keine Ausnahme. Welchen Einfluss das Licht generell auf sie hat und wie wir Pferden das bestmögliche Maß an Helligkeit bieten können, das haben wir unter anderem mit den Expertinnen Dr. Henrike Lagershausen, Gerlinde Hoffmann und Sandra Löckener erörtert.

Licht, Luft und Bewegung sind essenzielle Bedürfnisse jedes Pferdes. Im Klartext bedeutet das, dass jedes Pferd zu jeder Jahreszeit täglich Zugang zur Weide haben sollte. Ausnahmen gelten bei Stürmen oder derart tiefem Schnee oder Glatteis, dass der Weidegang gefährlich würde. Doch derartige Bedingungen herrschen hierzulande nur noch selten.

FN-Veterinärin Dr. Henrike Lagershausen betont, dass täglicher Zugang zu Tageslicht ein Muss sei. „Der tägliche freie Auslauf ist somit sehr wichtig für die physische und psychische Gesunderhaltung eines jeden Pferdes und bietet eine Vielzahl an positiven Effekten für den Organismus. ,Täglich und so lange wie möglich!‘ sollte das Motto sein.“

Tageslicht hat für Pferde eine hohe Bedeutung: Es fördert die Bildung von Vitamin D3, das nur in ausreichendem Maße erzeugt werden kann, wenn das Pferd zu jeder Jahreszeit vier bis sechs Stunden Tageslicht bekommt. Besonders sinnvoll sind im Winter der Weidegang oder Ausflüge um die Mittagszeit. Man sollte im Winter das relativ kurze, helle Zeitfenster zwischen circa 8 und 16 Uhr nicht unterschätzen, wenn die Sonne schon wieder untergeht.

Die verschiedenen fürs Pferd lebensnotwendigen D-Vitamine werden entweder in den Pflanzen selbst oder in der Pferdehaut durch Sonneneinstrahlung „aktiviert“. Vorhanden ist das Pro-Vitamin vor allem in Grünfutter, weshalb im Winter der Mangel auch deutlich höher ausfällt. Gebildet wird Vitamin D durch die Einstrahlung von UV-B-Licht, das im Sommer kein Problem, im Winter jedoch Mangelware ist. Wichtig ist Vitamin D für eine gesunde Knochenbildung, da es den Kalzium-Phosphor-Stoffwechsel entscheidend beeinflusst. Bei ausgewachsenen Pferden können durch einen Mangel diverse Knochenerkrankungen entstehen. Bei Fohlen kann Rachitis die Folge sein.

Einfluss auf den Biorhythmus

Wir Menschen kennen das nur allzu gut: Im Winter fällt es den meisten von uns deutlich schwerer, morgens aufzustehen. Und auch wenn es am Nachmittag schon früh dunkel wird, fühlen wir uns teils auf einmal müde und geschafft. Es ist eine ganz natürliche Reaktion des Körpers auf die Helligkeit und die Ausschüttung des Hormons Melatonin. Es wird umgangssprachlich auch „Schlafhormon“ genannt. Bei Dunkelheit wird vermehrt Melatonin gebildet.

Sowohl der Wach-Schlaf-Rhythmus als auch die Fortpflanzung werden dadurch gesteuert. Beim Pferd kommt der Fellwechsel als wichtiger Stoffwechselvorgang hinzu. Sandra Löckener erklärt, dass die Lichtaufnahme die Zirbeldrüse (Epiphyse) stark beeinflusse. „Diese wiederum produziert das Melatonin. Dessen Spiegel sinkt, wenn das Pferd viel Licht aufnimmt. Kommt es wenig nach draußen bzw. während des Winters steigt der Spiegel an.“

Zu erkennen ist der Einfluss des Tageslichts am besten im Frühjahr. Denn dann dauert es meist nicht lange und die Pferde wirken deutlich vitaler. Im Herbst dagegen wirken sie häufig ruhiger.

… den kompletten Artikel finden Sie in der Mai-Ausgabe.