Text: Aline Müller        Foto: Trio Bildarchiv/ Sabrina Reiter

Eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Verhaltensstörungen, Allergien und Infektionen werden selten mit dem Darm in Verbindung gebracht. Doch nicht nur der Stoffwechsel, sondern auch das Immunsystem des Pferdes werden von der Darmflora beeinflusst. So funktioniert der Magen-Darm-Trakt des Pferdes, und so können Sie Störungen erkennen beziehungsweise vorbeugen

Das Verdauungssystem des Pferdes ist optimal an seine natürliche Lebensweise angepasst. Diese besteht allerdings nicht darin, die meiste Zeit des Tages in der Box zu stehen und große Mengen an Kraftfutter zu bekommen, das häufig aufbereitet, konzentriert und reich an Getreide sowie Zucker ist. Moderne Sport- und Freizeitpferde haben je nach Belastung einen höheren Energiebedarf und müssen mit den nötigen Nährstoffen versorgt werden, um die erwartete Leistung zu bringen und ein gewisses Niveau halten zu können. Dazu reicht Raufutter wie Heu alleine nicht immer aus. In der freien Wildbahn verbringen Pferde viele Stunden damit, im Schritt grasend über größere Flächen zu streifen. Sie sind gewöhnt an eher karges Raufutter mit hohem Fasergehalt und wenig Stärke. Wer die Natur des Pferdes betrachtet und sich mit der Anatomie und Physiologie des Verdauungssystems beschäftigt, versteht Zusammenhänge besser und kann so zum einen das Risiko für Magen- und Darmprobleme reduzieren und zum anderen leistungsgerecht füttern.

Sortieren und vorbereiten

Die Aufnahme von Futter und dessen Verdauung gehört zu den Hauptaufgaben des Verdauungstraktes. Dabei werden Nährstoffe absorbiert und zudem auch Abfallstoffe wieder ausgeschieden. Ähnlich wie in einer Fabrik sind bestimmte Bausteine nötig, damit wichtige Prozesse ablaufen können, und bei diesen Vorgängen fallen eben auch Abfallstoffe an, die nicht mehr gebraucht werden. Das Pferd ist durch seinen Magen und den großen Dickdarm in der Lage, sowohl Kraftfutter als auch Zellulose, also den Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände, zu verdauen. Durch verschiedene mechanische, chemische, enzymatische und mikrobielle Prozesse wird die Nahrung verdaut und schließlich in Energie umgewandelt. Das Verdauungssystem beginnt nicht erst beim Magen. Daher fangen wir vorne an. Genauer gesagt beim Maul des Pferdes. Mit seinen kräftigen, beweglichen Lippen sortiert und greift das Pferd das Futter. Dann wird es von den Schneidezähnen abgeschnitten und zwischen den Backenzähnen mit mahlenden Bewegungen zerkaut. Genau dieses Kauen löst die Speichelproduktion aus.

Speichel ist wichtig, denn zum einen macht er das Futter weich und gleitfähig, um es für die Darmpassage vorzubereiten. Zum anderen enthält er Kalziumbikarbonat und ist alkalisch, also nicht sauer. Da- durch wird die Magensäure entsprechend abgepuffert. Die Menge des täglich produzierten Speichels ist abhängig von der Zahl der Kaubewegungen des Pferdes. Kaut ein Pferd zu wenig, zum Beispiel weil ihm kaum Raufutter zur Verfügung steht, wird auch weniger Speichel produziert und weniger Magensäure abgepuffert, was gesundheitliche Folgen haben kann.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Oktober- Ausgabe der Mein Pferd.