Zwanglos, zufrieden, losgelassen

Pure Freiheit                                                             

Was brauchen wir denn alles für unser Wochenende am Teutoburger Wald?“, fragten mich meine Freunde vom heimischen Stall, die mich zum ersten Mal auf den Hof begleiteten, dem ich seit 25 Jahren zwei Mal im Jahr die Treue halte. „Nicht wirklich viel, nur, was ihr bei euren eigenen Pferden am Stall benötigt“, erwiderte ich grinsend. Der Hof, der von Feldern, Wiesen, wunderschönen Wäldern und Baggerseen umgeben ist, hat etwa 50 eigene Ponys, die alle ausschließlich durch die idyllischen Geländestrecken geritten werden und in großen Herden die meiste Zeit des Jahres auf der Wiese stehen. „Auch keine Reitstiefel oder sonstiges Equipment?“, fragte eine der Reiterinnen etwas verdutzt. Nein, tatsächlich braucht man für die Ritte im Münsterland nur seinen Helm und eine Reithose, denn alle Ponys werden ohne Sattel und nur mit einfacher Trense, ohne Reithalfter, geritten. Etwas Unwohlsein machte sich nun in der Gruppe der erfolgreichen Dressurreiter breit. Schließlich hat das Reiten für sie im Normalfall viel mit Lektionen zu tun, und auf einen Sattel und Stiefel haben sie dabei noch nie verzichten können. „Ohne Sattel? Das kann ich nicht! Ich werde auf jeden Fall runterfallen“, sagte eine meiner Stallfreundinnen entsetzt. Ich habe diese Sätze schon zu oft gehört, um wirklich Angst um sie zu haben. Das Reiten ohne Sattel durch die Feldwege und Wiesen, durchs Wasser und über unebene Wege ist für viele langjährige Reiter immer noch Neuland, und es ist für sie mit Unwohlsein und einem Entzug von Sicherheit verbunden. Umso erstaunlicher sind die Reaktionen der Menschen, wenn sie sich dieser Situation stellen. Die anfängliche Unsicherheit und das wacklige Gefühl, das die Reiter haben, wenn sie auf dem „nackten“ Pferd sitzen, weicht nach kurzer Zeit einem Vertrauen. Ohne Sattel auf dem Pferd zu sitzen und jede Muskelanspannung, jede Bewegung zu spüren, die von ihm ausgeht, ist etwas ganz Besonderes – ein Gefühl, das eine unglaubliche Freiheit vermittelt. Das Vertrauen, das die fremden Ponys den ängstlichen Reitern entgegenbringen, wurde nach kurzer Zeit erwidert. Und so ritten wir jeden Tag, ganz ohne Lektionen, ganz ohne Ziel, einfach nur nach unserem Gefühl, auf der Suche nach einem noch größeren Freiheitsgefühl los.

Lara Wassermann

Leitende Redakteurin Mein Pferd

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