Unterschätzte Gangart

Kannst du mich gut riechen?

Man sagt, die Chemie zwischen zwei Leuten muss stimmen. Und diese Redewendung kann man wörtlich nehmen, denn damit Menschen sich mögen, müssen sie sich auch gut riechen können. Unser Gehirn kann von Geruchsstoffen ableiten, ob unser Gegenüber gesund ist, welche Krankheiten ihn belasten könnten und gegen welche er geschützt ist. Ganze drei Prozent unseres Erbguts dienen dem Riechen und Wahrnehmen von Gerüchen.

Die wohl bekannteste Verfilmung zu diesem Thema stammt aus der Feder von Patrick Süskind. In seinem Weltbestseller „Das Parfum“ beschreibt er, wie intensiv Gerüche von unserem Gehirn verarbeitet und interpretiert werden: „Und mitten in sie hinein ging der Duft, direkt ans Herz, und unterschied dort kategorisch über Zuneigung und Verachtung, Ekel und Lust, Liebe und Hass.“ Unsere Riechrezeptoren sind ein Erbe unserer tierischen Vorfahren, deren Riechleistungen den unseren meistens weit überlegen sind. Und was ist mit unseren Pferden? Natürlich können sie um ein Vielfaches besser schnüffeln als wir und aus Gerüchen noch mehr Informationen filtern. Bei Angst oder Unsicherheit vor fremden Gegenständen, zum Kennenlernen und zum Erkennen von Artgenossen wird stets als Erstes die Nase eingesetzt. Pferde verbinden Gerüche mit positiven oder negativen Erfahrungen und erkennen nicht nur ihre Pferdefreunde, sondern auch uns von weiter Entfernung am Geruch – noch bevor sie uns überhaupt sehen.

In den Zeiten von Corona, die uns alle beeinflussen, merken wir häufig, dass sich auch unsere Pferde anders verhalten: Sie sind empfindlicher, erschrecken leichter und scheinen angespannt. Das liegt wahrscheinlich nicht nur an dem veränderten Alltag, sondern auch an uns Menschen, die aus Sorge und Angst emotional aufgebracht sind. Wir scheiden dadurch chemische Produkte in unserem Schweiß aus, Botenstoffe, die Pferde über ihren Geruchssinn erregen.

Versuchen Sie, in Gegenwart Ihres Pferdes runterzufahren, sich zu besinnen und den Stress und die Angst zu Hause zu lassen, sodass Sie und Ihr Pferd die gemeinsame Zeit genießen können.

Bleiben Sie gesund und denken Sie daran: Auch diese Zeit hat ein Ende.

Lara Wassermann

Leitende Redakteurin Mein Pferd

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