Prestigeobjekt Pferd

Reiter sprechen so viel über Pferde, die zu viel und zu schlecht geritten werden, wir lesen so oft von Reitschulen, in denen die Schulpferde stundenlang im Kreis laufen, ohne Pause, häufig mit unpassendem Equipment. Sie haben sich häufig aufgegeben, wie wir heute­ wissen, sind depressiv, wie auch Menschen es sein können.

Das Entsetzen darüber empfinden wir zu Recht – aber was ist mit Pferden, die unter­fordert werden? Nach einer gewissen Phase der Aufsässigkeit beobachte ich bei solchen Pferden häufig das Gleiche wie bei überbeanspruchten Tieren: Sie verhalten sich teilnahmslos und desinteressiert und vegetieren quasi nur noch vor sich hin­. Wo ich solche Pferde sehe? In jedem Reitstall – und das nicht selten. Diese Pferde sind für die Besitzer scheinbar eher ein Prestige­objekt oder ein Grund dafür, die gewohn­ten Tagesabläufe nicht aufgeben zu müssen. „Diese Leute pflegen ihre Pferde krank“, sagte eine Freundin kürzlich zu mir, als wir eine Besitzerin beob­achteten, die das Pferd jeden Tag nur putzte. Mit ihrem unüber­legten Spruch hatte sie wahrscheinlich sogar recht. Die Pferde werden nicht geritten, und auch ansonsten gleicht das Beschäftigungsprogramm eher einem „Abarbeiten“. Wenn solche Vierbeiner dann noch in Boxen­haltung stehen, ist das Problem noch gravierender. Nichtstun als Indiz­ dafür, dass es dem Pferd gut geht? „Mein Pferd hat ein wirklich schönes Leben, es muss ja nichts tun“ – diese Denkweise ist einfach falsch, aber trotzdem noch weit verbreitet. Man nimmt dem Pferd damit den Sinn im Leben, wie man es auch bei einem Menschen machen würde. Es kann nicht frei entscheiden, wie es seinen Tag verbringt, weil wir Menschen ihm den Ablauf vorgeben. Es muss also darauf­ warten, dass wir ihm etwas zu tun geben, wenn es schon seinen natürlichen Beschäft­igungen nicht nachgehen kann.

Sie haben keine Lust, sich täglich Möglichkeiten zu überlegen, wie Sie Ihrem Pferd den Tag inte­ressant und pferdegerecht gestalten können? Dann trennen Sie sich von ihm – denn das Pferd nur aus Gewohnheit oder aus Prestigegründen zu halten ist wahrscheinlich nicht besser, als es in einen­ schlechten Schulbetrieb abzugeben.

Liebe Grüße

Lara Wassermann

Leitende Redakteurin Mein Pferd

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