„Ich stärk dir den Rücken“

Schlummernde Leidenschaft     

Vor ein paar Tagen stöberte ich durch Fotos, die verstaubt in einer Kiste lagen. Alte Bilder von mir aus meinen Kindertagen mit den Ponys kamen zum Vorschein, und ich erinnerte mich an die Situationen, die auf etwas vergilbtem 90er-Jahre-Fotopapier festgehalten wurden. Je mehr ich davon durchsah, desto tiefer fand ich mich in dem alten Gefühl wieder. Ich weiß noch, dass ich meiner Mutter versucht habe zu erklären, was ich empfinde, wenn ich bei Pferden bin, wenn ich Kontakt zu ihnen habe oder durch den Wald reite: das tief verbundene Vertrauen, das ich empfand, als ich auf ihnen saß, und die Dankbarkeit, die ich spürte, wenn sie mich an Orte trugen, die ich selbst nicht hätte auf diese Weise erkunden können. Diese Erklärung über meine Leidenschaft zu Pferden ist mir bis heute nicht wirklich geglückt, sodass meine Eltern wahrscheinlich einfach akzeptieren mussten, dass ich sie zum Glücklichsein brauche, und das reichte ihnen schließlich als Begründung. Leidenschaft – dieses große Wort bedeutet laut Duden „einen emotionalen Gemütszustand, der vom Verstand nur schwer zu steuern ist; eine ausgeprägte Neigung, eine Passion für etwas, was man sich immer wieder verschaffen möchte; eine bestimmte Tätigkeit, der man sich mit Hingabe widmet“. Ich denke, dass ich nie eine größere Leidenschaft für etwas hatte als die für die Pferde. Die Dankbarkeit und die tiefe Verbundenheit, die aus dem Bewusstsein resultierte, dass das Pferd nur mir zuliebe handelte und nicht aus eigenem Interesse, machten wohl einen großen Teil dieser Begeisterung aus. Das Pferd, das war ein Freund, mit dem ich Dinge erlebte, die mir kein menschlicher Freund bieten konnte. Die kindliche Wahrnehmung, die uns einst mit Glück erfüllte, ist mittlerweile häufig einem Gefühl von Selbstverständlichkeit gewichen. Die Faszination Pferd blitzt bei den meisten Reitern nur noch selten hervor. Kürzlich stand ich mit einigen Besitzern auf dem Hof, als eine Einstellerin mit ihrem Pferd aus dem Wald kam und übers ganze Gesicht strahlte. Auf die Frage, warum sie so glücklich sei, sagte sie: „Es war einfach paradiesisch im Wald mit meinem Pferd“ – und dann lachten wir alle herzlich los. Schließlich ist der Wald in dieser Jahreszeit nicht besonders schön, und der Ausritt hatte sich auch nicht von anderen unterschieden. Trotzdem blieb uns ihre Aussage im Gedächtnis, da wir spürten, dass wir es als Kind sicherlich genauso ausgedrückt hätten, weil es in unserer Empfindung auch genau so war. Ich denke, dass diese tief empfundene Leidenschaft in uns allen schlummert – zwischen Arbeitsstress, Haushalt und Papierkram. Wenn wir ihr genug Raum geben, dann werden wir ihn auch wieder spüren können: den wirklichen Grund, warum Pferde sich damals so fest in unserem Herzen verankert haben.

Ich wünsche Ihnen paradiesische Ausritte im heimischen Wald!

Lara Wassermann

Leitende Redakteurin Mein Pferd

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