Text: Inga Dora Meyer         Foto: Slawik

Araber-Wallach Pedro könnte jedem Lippizaner der Wiener Hofreitschule Konkurrenz machen. Seine Sprünge in die Luft sind phänomenal. So galant wie er schlägt keiner seine Kapriolen. Sein Besitzer, der ihn versucht, an der Longe zu führen, schüttelt nur ungläubig den Kopf. Bei Minusgraden wird Pedro immer zum Luftakrobaten. So wie er verhalten sich viele andere Vierbeiner auch. Sie sind energiegeladen, scheuen, springen zur Seite weg oder geben so richtig Gas, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Kein ungewöhnliches Verhalten, findet unsere Expertin.

„Unser Haustier Pferd ist, wie der US-Amerikaner und Horsemanship-Trainer Pat Parelli häufig sagt, überfüttert und unterfordert. Pferde werden oft in Boxen gehalten, mit Heu und häufig zu viel Kraftfutter versorgt, aber nur wenig bewegt – vor allem im Winter. Es wird früh dunkel, sodass wir uns nicht so lange im Stall aufhalten wie im Sommer. Wir reiten nicht stundenlang aus oder verbringen viel Zeit in der eiskalten Halle. So ist es nachvollziehbar, dass ein Bewegungstier wie das Pferd vom Herumstehen im Stall Energie anstaut, die es loswerden muss“, sagt Yvonne Salfner, Drei-Sterne-Parelli-Instruktorin aus dem schweizerischen Bad Zurzach.

In kleineren Offenställen mit wenig ­Bewegungsanreizen sehe das nicht viel ­anders aus. Im Gegenteil: Die Motivation, mit dem Pferd etwas zu tun, schwinde bei vielen Reitern, da es ja in einer (kleinen) Herde stehe. Sie meinen, nicht jeden Tag etwas mit ihm tun zu müssen. „Ein Trugschluss“, wie ­Salfner meint. Denn auch wenn die Pferde 24 Stunden am Tag draußen sind, bewegen sie sich auf gefrorenen Winterausläufen doch nur ungern. Lässt man sie in die Halle, toben sie sich genauso aus – und das trotz naturnaher Haltungsbedingungen.

Pferdeverhalten, das Angst macht

Schnell werden vermeintliche Unarten beim Pferd festgestellt. „Damit bezeichnet man im Allgemeinen Verhaltensweisen von Pferden, die uns Menschen als unangemessen erscheinen, uns selbst unangenehm sind oder sogar Angst machen“, so die Expertin. In den meisten Fällen sind das am Boden Dinge wie Unruhe beim Führen oder Zappeln beim Anbinden, Wegspringen oder sogar auf den Menschen Draufspringen. Beim Reiten sprechen wir von Unarten, wenn das Pferd beim Aufsteigen nicht stehen bleibt, sondern schon losgeht, bevor der Reiter im Sattel sitzt, es nicht auf die reiterlichen Hilfen reagiert oder guckig durch die ­Halle läuft und bei kleinsten Geräuschen und ­Störungen erschrickt, losrennt oder bockt.

….in der Mein Pferd-Ausgabe 3/18 finden Sie tolle Übungen zum Nachreiten, sodass Ihr Pferd auch im Winter brav und motiviert mitarbeitet.