Text: Aline Müller     Foto: www.Slawik.com

Nicht nur in Dressurprüfungen, sondern auch im täglichen Training ist das Rückwärtsrichten oft eine Herausforderung. Die feine Hilfengebung und das Zusammenspiel von Reiter und Pferd werden hierbei auf die Probe gestellt. Am Anfang der Ausbildung ist das Rückwärtsrichten eine Gehorsamsübung. Im Laufe des Trainings werden sowohl die Durchlässigkeit als auch der Versammlungsgrad des Pferdes geprüft. Richtig ausgeführt gelingt ein Rückwärtsrichten auf feinste Reiterhilfen. Dabei tritt das Pferd flüssig und diagonal im Zweitakt in sicherer Anlehnung. Im Gegensatz zum Schritt spricht man beim Rückwärtsrichten von Tritten und nicht von Schritten, denn das Pferd bewegt sich in diagonaler Fußfolge wie beim Trab rückwärts – allerdings ohne Schwebephase. Leider sieht man häufig Pferde, die sich in der Rückwärtsbewegung gegen die Hand des Reiters wehren, den Hals eng aufrollen, gegen den Zügel gehen, wie festgenagelt stehen bleiben oder rückwärtsstürmen. Dabei verlieren sie den Takt oder werden schief. Doch unabhängig vom Ausbildungsstand von Reiter und Pferd ist es wichtig, sich eingehend mit dem Rückwärtsrichten zu beschäftigen.

Eine natürliche Bewegung

Wer einmal Pferde auf der Weide beobachtet, wird feststellen, dass das Rückwärtstreten eine ganz natürliche Bewegung ist. Die Vierbeiner zeigen dieses Verhalten beispielsweise beim Spielen oder beim Klären der Rangordnung. Den meisten Pferden fällt das Rückwärtsrichten unter dem Sattel leichter, wenn sie es schon vorher in Ruhe am Boden gelernt haben. In vielen alltäglichen Situationen ist es hilfreich, ja gerade schon notwendig, dass das Pferd ohne Mühe rückwärtsweicht. So zum Beispiel in der Stallgasse, vor dem Weidetor oder auch – nicht zu vergessen – beim Verladen. „Ich setze diese Lektion ein, um die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erhalten, um es zu beruhigen und auf meine Person zu konzentrieren“, schreibt Nathalie Penquitt in ihrem Buch „Erste Schritte unter dem Sattel“. Zunächst wird das Pferd an Berührungen mit der Gerte gewöhnt. Außerdem muss es diese als seitliche Begrenzung akzeptieren.

Rückwärtsrichten an der Hand

Bevor Sie mit dem Rückwärtsrichten an der Hand beginnen, sollten einfach Führübungen wie das Anhalten und Losgehen gut funktionieren. Am besten üben Sie an der Bande, denn die seitliche Begrenzung unterstützt das Pferd dabei, gerade rückwärtszutreten. Bleiben Sie zunächst immer wieder stehen. Klappt das Anhalten sicher, stellen Sie sich vor das Pferd und zupfen am Strick leicht nach hinten. Gleichzeitig geben Sie das Stimmkommando „Zurück“. Tritt das Pferd nicht auf Anhieb zurück, dann können Sie die Hand auf die Brust legen und das Pferd mit leichtem Druck zum weichen animieren. Auch die Gerte kann unterstützend vor der Brust des Pferdes eingesetzt werden. Im Laufe des Trainings festigen Sie das Stimmkommando und arbeiten darauf hin, dass Ihr Pferd rückwärtstritt, sobald Sie es leicht mit der Gerte an der Brust berühren. Ziel der Ausbildung ist ein stetes Verfeinern der Hilfengebung. Dabei spielt auch die eigene Körperhaltung eine entscheidende Rolle. Bleiben Sie ruhig und klar in Ihrer Körpersprache. Falls Sie einmal mehr Druck einsetzen müssen, gilt es, diesen beim weiteren Üben wieder zu minimieren.

… weitere Tipps und Tricks damit diese Übung gelingt, finden Sie in der Mein Pferd-Ausgabe 6/18.