Text: Aline Müller             Foto: www.Slawik.com

Bevor ein Pferd sinnvoll gearbeitet werden kann, sollte eine entsprechende Lösungsphase auf dem Programm stehen. Doch wann ist ein Pferd wirklich locker, und warum hat korrektes Lösen nichts mit Sich-müde-Laufen zu tun? Diese Übungen helfen Ihnen, das korrekte Maß zu finden und Ihren Vierbeiner gut auf die folgende Arbeitsphase vorzubereiten

In der Lösungsphase werden Körper und Geist des Pferdes möglichst optimal auf die anschließende Arbeitsphase vorbereitet. Dabei soll sich auch die innere Bereitschaft zur Mitarbeit entwickeln, die erst ein harmonisches Miteinander ermöglicht. Die Lösungsphase ist also nicht nur ein wichtiger Bestandteil jeder Trainingseinheit, sondern auch Grundlage für die gesamte weitere Ausbildung. Jeden Tag wird sozusagen ein kleiner Stein gelegt, der irgendwann ein Gesamtbild ergibt. Aus diesem Grund ist es auch entscheidend, Pferde mit System auszubilden und sich nicht nur auf die Praxis zu konzentrieren, sondern sich auch mit der Theorie zu beschäftigen.

Kein Sportler sprintet direkt los

Ein paar Minuten Schritt am langen Zügel gefolgt von einigen Runden Leichttraben – damit ist es in Sachen Lösungsphase für so manchen Reiter schon getan und es geht sofort richtig an die Arbeit. Das wäre ungefähr so, als würde ein Sportler nach einer längeren Fahrt aus dem Auto steigen, zum Sportplatz gehen, einige Meter langsam joggen und dann mit voller Kraft lossprinten oder andere Disziplinen wie Weitsprung ausüben. Der Muskelkater am nächsten Tag ist ein akutes Zeichen der Überlastung. Würde solch ein Training mehrmals die Woche über Jahre auf dem Programm stehen, wären die körperlichen aber gewiss auch die mentalen Folgen gravierender. Wem seine Gesundheit auf lange Sicht wichtig ist, der trainiert nicht einfach drauf los. Bleiben wir zunächst bei dem Sportler: Begonnen wird mit einer recht allgemeinen Aufwärmphase, um den Körper auf Temperatur zu bringen und das ganze System auf die folgende Belastung vorzubereiten. Das kann zum Beispiel zunächst lockeres Gehen gefolgt von ersten einfachen Übungen wie Armkreisen oder Dehnübungen sein. Anschließend folgt ein entspanntes Joggen und es werden erste spezifischere Übungen je nach Sportart hinzugenommen. So wird ein Läufer sich nach dem allgemeinen Aufwärmen anders auf das eigentliche Training vorbereiten als ein Kugelstoßer oder ein Athlet im Weitsprung.

Aufwärmen mit Gewicht

Viele Pferde verbringen die meiste Zeit des Tages in der Box, dabei sind Pferde Lauftiere mit einem hohen natürlichen Bewegungsbedarf. In der freien Natur bewegen sie sich rund 12 bis 15 Stunden täglich grasend im Schritt vorwärts. Droht dann eine Gefahr, können sie in sekundenschnelle ihr System aktivieren und eine große Kraft aufwenden, um im vollen Galopp zu flüchten. Dass Pferde solch kraftvolle, schwere aber elegante Tiere sind, wird ihnen jedoch in gewisser Hinsicht auch zum Verhängnis: Menschen gehen davon aus, Pferde einfach so belasten zu können. Im direkten Vergleich scheint ein Mensch mit sagen wir 70 Kilogramm Körpergewicht ein echtes Leichtgewicht gegen 600 Kilogramm Pferd. Doch unsere Vierbeiner tragen in der freien Wildbahn eben kein Gewicht auf ihrem Rücken und sind auch keine Lastenträger. Wer sein Pferd lange gesund erhalten möchte, der muss im übertragenen Sinne also nicht nur einen Sportler, sondern einen Sportler mit Ausrüstung und einigen zusätzlichen Kilogramm Gewicht aufwärmen und auf die anschließende Arbeitsphase vorbereiten.

Den gesamten Artikel finden Sie in unserer neuen Mein Pferd- Ausgabe.