Text: Aline Müller          Foto: www.Slawik.com

Die Kommandos des Reitlehrers sind meist klar definiert, dennoch entstehen immer wieder Missverständnisse. Warum solche Anweisungen nicht generell zu einem besseren Sitz oder einer feinen Kommunikation zwischen Reiter und Pferd beitragen und welche Rolle dabei das Bewegungslernen spielt, erklärt unser Experte Eckart Meyners.

Runde für Runde trabt eine junge Reiterin mit ihrem Wallach auf dem Zirkel. Dieser verwirft sich zusehends stärker im Genick, und an ein geschmeidiges Aussitzen ist schon lange nicht mehr zu denken. Der Reitlehrer wiederholt stets die gleichen Kommandos: „Rahm ihn mehr ein! Äußerer Zügel dran und Hände aufrecht hinstellen. Mach dich schwer im Sattel. Absatz tief und setz dich durch!“, ertönt es durch die Halle, wobei der Ausbilder seinen Anweisungen durch hektische Handbewegungen Ausdruck verleiht. Der Reiterin ist deutlich anzusehen, dass sie Probleme hat, die Situation zu kontrollieren, und auch ihrem Pferd steht der Stress regelrecht ins Gesicht geschrieben. Diese Szene stammt aus einem Ausbildungsstall und es ist leider keine Seltenheit, dass Unterrichtseinheiten so oder so ähnlich ­ablaufen. Der Reitlehrer gibt Anweisungen, und der Schüler probiert alles, um diese zu ­befolgen. Doch Reiten ist eben kein bloßes Ausführen von Befehlen. Hier treffen Mensch und Pferd aufeinander. Zwei Individuen, die miteinander kommunizieren und nicht gegeneinander, sondern zusammenarbeiten sollten. Damit die gegenseitige Kommunikation gelingt, müssen Bewegungen erlernt und der Unterricht entsprechend gestaltet werden.

Chance zum Fühlen geben

Der Sportpädagoge Eckart Meyners beschäftigt sich schon seit langem mit innovativem Körper- und Bewegungstraining für Mensch und Pferd. In seinem neuen Buch „Wie bewegt sich der Reiter?“ übt er Kritik an dem anweisungsorientierten Reitunterricht: „Wenn der Reiter den Vorgaben nachfühlen möchte, wird er ständig aus ­seinen inneren Zuständen herausgerissen, um die neuen Bewegungsanforderungen ausführen zu wollen. Der Reiter hat keine Chance zum Fühlen. Er wird ständig aufgefordert, seine Reitbewegungen rein analytisch anzugehen.“ Der Experte gibt zu bedenken, dass der Reiter von außen in ­allen Körperbereichen geführt und regelrecht in eine Form gepresst werde. Das geschehe unter anderem durch starre Anweisungen wie „Absatz tief“, „Kopf hoch“ oder „Schenkel dran“. Wenn Reiten zu einer Reihe von nacheinander geschalteten Abläufen wird, erwirbt der Reiter nicht die Fähigkeit, Bewegungen strukturiert zu erlernen.

Eckart Meyners macht sich dafür stark, dass der Reiter handlungsfähig, also selbsttätig in seine Lernprozesse eingreifen müsse. Bereits Pluvinel sagte eins: „… mit wenig Reden zur gegebenen Zeit kann man die Menschen besser ausbilden als mit dauerndem Geschrei.“ Doch scheint dieses Erfahrungswissen in der Reiterei für ein anderes Unterrichten heute weitestgehend verloren gegangen zu sein. Zu viele sprachliche Informationen überfordern den Reiter und verhindern das so wichtige Fühlen im Sattel. „Unterricht muss nicht nur fordern, sondern man muss einen Rhythmus von Anspannung und Entspannung erkennen können“, ­betont Meyners. Wichtig sei dabei auch, dass nicht alle Fehlerkorrekturen auf einmal angegangen werden.

Informationen allein sind nicht der Schlüssel

Betrachten wir diese Aussagen einmal an unserem Beispiel: Der Wallach muss Runde für Runde einen Zirkel im Trab meistern, obwohl er sich verwirft. Es mangelt an grundlegenden Punkten wie Takt, Balance und Losgelassenheit. Die Reiterin kann den Bewegungen des Pferdes nicht folgen. Sie hat Probleme auszusitzen und ist nicht in der Lage, mit entsprechend feinen Hilfen einzuwirken. Nun folgen Anweisungen wie „Absatz tief“ und „Hände aufrecht hinstellen“. Natürlich versucht die Reitschülerin diese sofort umzusetzen. Sie zieht die Fußspitzen an und bringt die Hände in Position. Schnell stellt sich Anspannung und Frust ein, denn von ­einem geschmeidigen Sitz ist sie weit entfernt. Es folgen weitere Runden in einem unbequemen Trab und weitere Kommandos, die weder Reiter, noch Pferd weiterbringen.

…die gesamte Titelstory – inklusive verschiedener Tipps für die Verbesserung des Sitzes – finden Sie in der Mein Pferd-Ausgabe 1/2019.