Text: Alexandra Koch               Foto: Müller Rüschlikon Verlag

Michael Geitner ist Trainer mit Leib und Seele. Über viele Jahre hinweg hat der Bayer die unterschiedlichsten Trainingskonzepte für Pferde entwickelt und zur Perfektion gebracht. Ihnen gemein sind die Farben Blau und Gelb, die in Form von Pylonen und Schaumstoffgassen stets zu entdecken sind

Training mit Volte

Zunächst sollte das Pferd nach gängiger Praxis aufgewärmt werden. Dann folgen die ersten zwei bis vier Runden im Schritt. Dies ist auch die Gangart der Wahl bei Pferden, die neu in die Trainingsmethode einsteigen. Natürlich muss dieses Training erst erarbeitet werden, was nicht von null auf hundert gelingen kann.

Die Abläufe in der recht engen Acht-Meter-Volte mögen manches Tier zunächst verunsichern. Doch Geitner erklärt: „Die Pferde müssen natürlich zunächst lernen, auf engen Wendungen zu laufen. Doch das Ziel soll sein, dass das Pferd in einem gleichmäßigen und ruhigen Arbeitstempo seine Runden dreht. Es soll Schritt für Schritt lernen, sein hinteres inneres Bein unter den Schwerpunkt zu setzen. Ziel ist, dass es anatomisch korrekt um die Kurve geht.“
Longiert werden sollte nur so schnell, wie das Pferd auch die Balance halten kann. Arbeitet man das Pferd auf der linken Hand, führt auch die linke Hand die Longe. 
Das Neue an der Equikinetic-Methode ist der speziellere zeitliche Ablauf des Trainings. Denn nach 60 Sekunden Longieren auf einer Hand folgt eine Pause von 30 bis 45 Sekunden. Während dieser Pausenzeit soll das Pferd im Schritt frei ohne Stellung und Biegung laufen können. Ist die Pause schließlich vorbei, wird die Hand gewechselt und das nächste 60-Sekunden-Trainingsintervall beginnt. 
Für Einsteiger in das Equikinetic-Trainingsprogramm sind zunächst acht Trainingseinheiten à 60 Sekunden anzusetzen. Später kann dies bis auf 16 Arbeitseinheiten mit einer Länge von nunmehr 1,5 Minuten gesteigert werden. „Stets muss darauf geachtet werden, dass das Pferd sich dabei nicht überfordert fühlt“, betont Geitner. „Dann sollte man lieber langsamer vorgehen. Ein Anzeichen für eine Überforderung kann beispielsweise sein, dass das Pferd sich verwirft, stolpert oder die Hinterhandaktivität verliert.“

EquiClassic-Work sorgt für Abwechslung



Bei EquiClassic-Work handelt es sich um die klassische Bodenarbeit an der Hand – mit dem kleinen „Geitner-Kniff“ obendrauf. Erneut arbeitete Geitner hier mit Alexandra Schmid zusammen und schuf eine Kombination aus Handarbeit, Elementen der Equikinetic an der Longe und der Dual-Aktivierung. „Man benötigt für „EquiClassic-Work“ vier blaue und vier gelbe Dual-Gassen“, erklärt der Pferdetrainer. „Außerdem ist wie bei allen Konzepten ein Kappzaum sinnvoll. Die Gassen werden in Kreuz- beziehungsweise man kann auch sagen Kleeblattform hingelegt. Auf Halshöhe führt man das Pferd im Schritt dann durch die erste Gasse. An Ende angekommen, schließt der Führende eine Linksvolte an und fädelt in die nächste Stangengasse des Kleeblattes ein. So geht es weiter, bis alle vier Volten des Kleeblatts absolviert worden sind. Fortgeschrittene können natürlich noch allerlei Finessen einbauen.“

Auf drei Minuten Arbeit an der Hand folgt bei EquiClassic-Work eine 60-Sekunden-Pause, die wie in der Equikinetic abläuft. Es gibt bei diesem Konzept weit mehr Abwechslung, als es die Basisübung „Kleeblatt“ zunächst vermuten lässt. Denn für Fortgeschrittene gibt es noch allerlei Alternativen, die wie die gesamte EquiClassic-Work die Konzentration fördern und die auch noch für mehr Versammlung und Losgelassenheit sorgen.

Weitere Informationen finden Sie in der aktuellen Mein Pferd- Ausgabe.