Text: Alexandra Koch          Foto: www.slawik.com

Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung sind die sechs Phasen der Ausbildung, welche auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) als Grundlage für gutes Reiten benennt. Ihre Ursprünge liegen in Richtlinien, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden.

Im zweiten Teil der Serie werfen wir einen Blick auf den zweiten Punkt der Skala: die Losgelassenheit. Dressurreiterin und Ausbilderin Uta Gräf hat sich dazu ebenso Gedanken gemacht wie die Para-Dressurreiterin und außerdem im Regelsport erfolgreiche Regine Mispelkamp sowie die Ausbilderinnen Kerstin Gerhardt und Dr. Britta Schöffmann.

Losgelassenheit – die Definition

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) definiert die Losgelassenheit als zweiten Punkt auf der Skala der Ausbildung wie folgt: „Von Losgelassenheit spricht man, wenn das Pferd innerlich loslässt, sich zwanglos bewegt und dabei die gesamte Muskulatur des Pferdes unverkrampft mitarbeitet. Dadurch wird es erst richtig in die Lage versetzt, sich in allen drei Grundgangarten gleichbleibend taktrein und raumgreifend vorwärtsbewegen zu können, ohne im Bewegungsablauf eilig zu werden.“ („Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1: Grundausbildung für Reiter und Pferd“). Weiter heißt es hier: „Die Losgelassenheit ist gekennzeichnet durch regelmäßiges An- und Entspannen der Muskulatur, setzt Zwanglosigkeit voraus und beinhaltet innere Gelassenheit.“

Die Losgelassenheit gehört wie der Takt als erster Punkt der Skala der Ausbildung ebenfalls in die sogenannte „Gewöhnungsphase“ ganz am Anfang der Ausbildung des Reitpferdes. Auch hier geht es vor allem darum, das Gleichgewicht des Pferdes zu schulen (siehe „Takt“ in der Ausgabe 1/2020 von Mein Pferd“). Allerdings geht hier bereits das Grundlegende aus der Gewöhnungsphase über hin zur zweiten Phase, nämlich der Entwicklung der Schubkraft, die später durch Anlehnung, Schwung und Geraderichtung fortgeführt wird.

Losgelassenheit wahrnehmen

Als Reiter spürt man die Losgelassenheit des Pferdes dadurch, dass die Bewegungen über den schwingenden Pferderücken durch dessen Körper hindurchlaufen. Auch wenn die Losgelassenheit in der Lösungsphase ein essenzieller Bestandteil ist, sollte sie auch bei intensivem Training und sportlichen Höchstleistungen erhalten bleiben. Die Könner im Dressurviereck präsentieren ihre Pferde daher in einer losgelassenen und nicht verspannten Haltung. Konzentrierte Anspannung ist zur Losgelassenheit kein Widerspruch. Sie arbeitet praktisch durch Muskel-an- und -entspannung mit ihr zusammen. Die Bewegungen in Übergängen und bei Tempo-Unterschieden sollten im Takt und fließend sein, was nur durch Losgelassenheit gelingt. Erst durch sie ist eine sichtbare Bewegungsharmonie von Reiter und Pferd möglich.

Losgelassenheit ist nicht nur ein körperlicher Zustand des Pferdes. Sie kann nur erreicht werden, wenn dieses auch psychisch entspannt ist. „Dies wird selbstverständlich erreicht durch Abwechslung im Training sowie eine absolut artgerechte Haltung des Pferdes mit viel Weidegang und freier Bewegung an der frischen Luft bei jedem Wetter“, betont Dressurreiterin und -ausbilderin Uta Gräf. „Durch einen freien Kopf entsteht beim Pferd auch Lern- und Leistungsbereitschaft. Die Haltungsbedingungen sind essenziell für die Entwicklung der Losgelassenheit unter dem Sattel.

… in der Ausgabe 2/2020 lesen Sie den kompletten Artikel.