Text: Sophia Arnold            Foto: Daniel Elke 

Im Reitalltag haben wir sie regelmäßig in der Hand, in verschiedensten Formen und Varianten: Gebisse. Doch wie wirken einfach und doppelt gebrochene Gebisse, und worauf sollte man bei der Wahl des richtigen Stücks für das eigene Pferd achten?

Das Gebiss ist die Verbindung von Reiterhand und Pferdemaul. Jede Bewegung, die der Reiter am Zügel vollführt, empfängt das Pferd im Maul. Dieser extrem sensible Part des Pferdes sollte mit großer Vorsicht behandelt werden. Unpassende Gebisse, ob zu groß oder zu klein, schmerzen das Tier und sollten unbedingt vermieden werden. Da jedes Pferdemaul anders ist, müssen Gebisse auf jedes Pferd individuell abgestimmt werden. Auch in Verbindung mit dem Reithalfter können Gebisse unterschiedlich sitzen und so bei der einen Zäumung gut passen, bei der anderen jedoch weniger. Bei jeder Änderung sollte das Gebiss also neu abgestimmt werden. Viele Pferde neigen auch dazu, bestimmte Gebisse nach einer gewissen Zeit nicht mehr zu akzeptieren. Das genaue Hinfühlen ist also bei der Wahl des richtigen Gebisses extrem sinnvoll.

Auch wenn viele Gebisshersteller versprechen, bestimmte Probleme wie Zungenfehler oder Anlehnungsprobleme durch Gebisse richten zu können, sollte bei reiterlichen Problemen zunächst mit einem Reitlehrer gesprochen werden, denn auch scharfe Gebisse ersetzen richtiges Reiten nicht.

Materialien

Eine ähnlich große Auswahl bei der Art des Gebisses hat man beim Material. Das bekannteste und einfachste ist wohl Edelstahl. Edelstahlgebisse sind günstig, langlebig und geschmacksfrei, mit ihnen laufen viele Pferde zufrieden, sowohl im Springen als auch in der Dressur. Edelstahl hat ein gewisses Gewicht, was es vielen Pferden erleichtert, dieses Material anzunehmen. Je nach Qualität des Gebisses kann es aber passieren, dass sich im Laufe der Zeit Kanten bilden. In diesem Fall sollte das Gebiss sofort ausgetauscht werden. Alternative Materialien sind Kunststoff, Gummi und Leder. Auf Kunststoff wird vor allem dann zurückgegriffen, wenn das Pferd allergisch auf Edelstahl reagiert. Je weicher die Gebisse aber sind, desto eher kaut das Pferd sie kaputt, sodass hier auch auf Abnutzungen geachtet werden muss.

Besonders zum Kauen anregen sollen Gummigebisse mit Geschmack, Sensogan und Kupfer. Diese Gebisse gibt es in verschiedenen Ausführungen, aufgrund ihrer Beschaffenheit sollen sie die Kautätigkeit anregen, sodass das Pferd locker und entspannt mitarbeitet.

Die richtige Größe

Richtig kauen und somit entspannt und konzentriert laufen kann das Pferd nur, wenn das Gebiss richtig passt. Doch nicht nur in der Länge sollte das Stück richtig gewählt werden, auch seine Weite und Stärke müssen beachtet werden. Das Gebiss liegt im zahnlosen Bereich zwischen Schneide- und Backenzähnen. Der Bereich zwischen Ober- und Unterkiefer im Maul liegt bei maximal 3,5 bis 4 Zentimetern, ohne Zunge, die noch einmal 2 bis 2,5 Zentimeter betragen kann. Der Bereich, der für das Gebiss zur Verfügung steht, ist entsprechend schmal. Beim eigenen Pferd kann dies mit einem kleinen Test gemessen werden. Beim aufgehalfterten Pferd wird die Zunge zur Seite gelegt und zwei Finger werden dort platziert, wo das Gebiss liegen würde. Fängt das Pferd an zu kauen, merkt man schnell, ob dort noch viel Platz besteht oder eher nicht. Misst man die eigenen Finger dann aus, weiß man, welche Gebissstärke für das Pferd passend ist.

Mehr Informationen zum Thema „Gebisse“ finden Sie in der aktuellen Mein Pferd-Ausgabe.