Text: Lara Wassermann    Foto: www.Slawik.com

Das Pferd richtig zu stellen und zu biegen gehört zum täglichen Reiten dazu – ohne das fällt es dem Pferd schwer, sich mit dem Reitergewicht auszubalancieren und Last aufzunehmen. Doch was passiert dabei im Pferdekörper, und wie wird es richtig gemacht?

Ohne Stellung keine Biegung“

Diesen Merksatz haben die meisten Reiter schon gehört: Zwingende Voraussetzung für Bodenarbeit, Longieren und Reiten in gebogenen Linien ist das richtige Stellen des Pferdes. Die FN definiert den Begriff „Stellung“ folgendermaßen: „Stellung bedeutet, dass das Pferd seinen Kopf im Gelenk zwischen Kopf und Hals, dem Genick, seitlich wendet und das Genick in der Ganasche seitlich biegt.“ Doch wie funktioniert es aus Reitersicht? Das Stellen ist auch ohne Körperbiegung möglich, weshalb man geradeaus reiten und dabei das Pferd stellen kann. Stellt sich das Pferd beispielsweise auf der linken Hand nach links, so sagt man dazu auch „in der Ganasche links hohl machen“. Die Ohrenspitzen des Pferdes sollten beim Stellen immer auf einer Höhe bleiben, da es sich sonst im Genick verwirft. Dadurch wird es für die reiterlichen Hilfen undurchdringlicher, was meistens ein Zeichen für eine zu starke, feste Hand des Reiters ist. 
Zügel- und Schenkelhilfen müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Ist eine Hilfe deutlich stärker als die andere, stellt sich das Pferd nicht gut und nicht entspannt. Um das Pferd nach rechts zu stellen, gibt man durch die rechte Hand leichte Paraden, das heißt, dass die Finger den rechten Zügel leicht umschließen (meine Reitlehrerin nannte es immer „Schwämmchen drücken“). Wenn dies nicht ausreicht, kann die Hand leicht nach innen gewinkelt werden. Das innere Bein muss dran sein, das äußere dabei verweilen. Durch den Druck des inneren Schenkels macht sich das Pferd innen etwas hohl, was dem Stellen entgegenkommt. 
 Damit sich das Pferd nicht durch zu viel Druck im Genick verwirft, muss der äußere Zügel auch im selben Maß nachgeben (mehr Spielraum durch den jeweils anderen Zügel geben). Wird der Zügel nicht nachgegeben, so blockiert das Pferd auf Dauer und wird hart und stumpf im Maul.

Auch das kräftige Ziehen eines Zügels und ein Fehlen des Schenkeleinsatzes führt zu einer Fehlhaltung des Pferdes: Die Biegung entsteht dann nämlich schon am Halsansatz und nicht nur im Genick. Ein häufiges Problem falschen Stellens ist auch der „falsche Knick“ oder auch das „Von-vorn-nach-hinten-Reiten“. Damit meint man, dass der höchste Punkt des Pferdes der obere Halsbereich ist. Richtig wäre aber immer, das Genick als höchsten Punkt des Pferdes zu haben. Wenn durch einfaches Festhalten der Zügel, ohne Nachgeben, eine Gewichtaufnahme der Hinterhand unmöglich ist, trägt sich das Pferd auf der Vorhand. So kann es sich nicht genügend aufrichten, und die Wirbelsäule blockiert und schmerzt. Je mehr der Reiter von hinten gegentreibt, desto schlimmer sind die Folgen. Daraus entsteht der „falsche Knick“ im Pferdehals. Das Stellen ist jedoch nur dann möglich, wenn das Pferd nicht hinter der Senkrechten ist, da ein knöcherner Zapfen dann wie eine Sperre wirkt. Das Biegen des Halses ist für das Pferd leicht, jedoch ist die Verbindung zwischen Hinterkopf und Halswirbel, die für die Stellung relevant sind, weniger beweglich. Die Genickstellung findet im Drehgelenk zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel, dem Atlas und dem Dreher, statt. Dieses Gelenk hat keine Mittelstellung, weshalb der Dreher immer zu einer Seite gekippt ist. Das Pferd ist also immer gestellt, ob auf der Weide oder beim Reiten. Je schiefer ein Pferd, desto mehr bevorzugt es die Stellung auf einer Hand. Vielen Pferden fällt es durch den stark bemuskelten Genickbereich schwer, sich umzustellen. Hinzukommt, dass der zweite Halswirbel beim Wechsel auf die andere Seite einen deutlichen Widerstand überwinden muss. Deshalb muss man genau wie bei anderen bemuskelten Gelenken gut trainieren, um dieses voll beweglich zu machen. Das Stellen ist eine Voraussetzung für die Biegung, die in allen Wendungen und Seitengängen vom Pferd gefordert wird.

Richtige Biegung


Man kann ein Pferd also stellen, ohne es zu biegen, jedoch nicht biegen, ohne es zu stellen. Die Biegung ist Voraussetzung dafür, dass sich das Pferd auf gebogenen Linien taktrein und ausbalanciert bewegt, sowie für die geraderichtende und versammelte Arbeit. Es ist allerdings nur dann dazu in der Lage, wenn es durch kontinuierliches Training geradegerichtet ist. Die natürliche Schiefe und die unterschiedlich lange Muskulatur des Halses sorgen dafür, dass es nicht auf beiden Seiten gleich biegsam ist. Beim Biegen ist das Ziel, dass die komplette Wirbelsäule zur gewünschten Seite gebogen ist. Die Biegefähigkeit des Pferdes ist allerdings grundsätzlich eher gering – Grund dafür ist, dass es durch diese Körperbeschaffenheit besonders energiesparend laufen, trotzdem aber schnell sprinten und lange Strecken relativ zügig überwinden kann. Seine feste, gerade Wirbelsäule ist dafür bestens geeignet. Um dem Biegen näherzukommen, führt der beste Weg über die Dehnungshaltung. Dadurch ist der Abstand zwischen den einzelnen Wirbeln größer, wodurch das Biegen leichter fällt. Beginnen Sie also Biegungen zunächst in dieser Haltung. Die eine Körperseite des Pferdes wird hohl gemacht, auf der anderen Seite müssen sich die Muskeln stark dehnen. Aus diesem Grund sollten Biegungen nur mit gut aufgewärmten Pferden gemacht werden. Stellen Sie beim Reiten fest, dass zwischen Hals und Körper ein Knick entsteht, so ist Ihre Zügeleinwirkung zu stark.

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