Text:Aline Müller     Foto: www.Slawik.com

Ob Pferd und Reiter zusammenpassen, ist nicht nur eine Frage der Größe oder des Gewichts. Viel wichtiger sind die individuellen Proportionen. Dabei können Pferd-Reiter-Paare trotz eines Größenunterschiedes ein harmonisches Team bilden.

Bestimmt haben Sie schon einmal auf einem zu kleinen Stuhl an einem hohen Tisch gesessen. Dann ziehen Sie automatisch die Schultern hoch und ziehen die Knie an. Wenn zudem auch noch die Sitzfläche zu klein ist, sind Verspannungen oder sogar Schmerzen vorprogrammiert. Wenden wir dieses Beispiel auf das Reiten an: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einem zu kleinen Pferd. Sie haben Probleme, den Bauch des Pferdes mit den Unterschenkeln zu erreichen und sich mit dem Oberkörper auszubalancieren. Womöglich ziehen Sie recht bald die Absätze hoch, und es kommt zu einer vermehrten Spannung in den Beinen. Dadurch verkrampft sich auch die Muskulatur des Beckens, und Sie können nicht mehr geschmeidig in der Mittelpositur mitschwingen. Wahrscheinlich ist zudem die Sitzfläche des Sattels zu klein für Sie, mit der Folge, dass ein anatomisch richtiger Sitz nicht mehr möglich ist.

Einfach herausgewachsen

Das Problem kennt auch Sophia Bergmann. Die 17-jährige Dressurreiterin war mit ihrem ersten Pony Flint erfolgreich bis zur Klasse L. Ihr Wallach hat allerdings nur ein Stockmaß von 1,41 Metern, und im letzten Jahr ist die Schülerin ein ganzes Stück gewachsen: „Plötzlich konnte ich nicht mehr richtig mit dem Schenkel einwirken, und Flint hielt sich immer mehr im Rücken fest“, erzählt Sophia und fügt hinzu: „Der Sattel passte meinem Pony zwar perfekt, aber ich bin einfach aus ihm herausgewachsen.“ Obwohl die junge Reiterin sehr schlank ist und Flint ihr Gewicht tragen könnte, entschied sie sich schweren Herzens für den Umstieg auf ein Großpferd. Ob Pferd und Reiter zusammenpassen, hängt nicht nur von den Maßen ab. Eine weitaus wichtigere Rolle spielen die Proportionen. Die gesamte Körpergröße sagt dabei nicht alles aus: Große Menschen können beispielsweise einen langen Oberkörper und kürzere Beine oder umgekehrt einen kürzeren Oberkörper und lange Beine haben. Dabei hat nicht jeder große Reiter automatisch auch ein breites Becken. Ähnlich ist es bei unseren Vierbeinern: Große Pferde können einen kurzen oder langen Rücken beziehungsweise Hals sowie einen breiteren oder eher schmalen Rumpf besitzen.

Individuelle Proportionen

Jeder Reiter und jedes Pferd ist ein Individuum mit einzigartigen Proportionen. Und auch wenn das Größenverhältnis auf den ersten Blick nicht optimal erscheint, können beide ein gutes Team bilden, denn echte Harmonie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Selbst im Leistungssport gibt es immer wieder Reiter-Pferd-Paare, die trotz eines Größenunterschiedes eine perfekte Einheit bilden. Früher galten besonders in der Dressur ein kurzer Oberkörper und lange Beine als optimal. Allerdings ist die Realität meist komplexer: Hat der Reiter lange Beine, dann sollte das Pferd eine entsprechende Größe haben, damit der Kontakt zum Rumpf auch ohne große Mühe erhalten bleibt und ein Mitschwingen in der Mittelpositur möglich ist. Manchen Reitern fällt es nicht schwer, trotz ihrer Größe das Bein locker aus der Hüfte fallen zu lassen und den Bewegungen des Pferdes zu folgen. Andere neigen dazu, das Knie stark zu beugen und die Absätze hochzuziehen. „Flint ist eher schmal gebaut, aber hat sehr gute Gänge. Im vergangenen Jahr fiel es mir besonders im Trab und Galopp sehr schwer, locker mitzuschwingen“, erinnert sich Sophia. Viele Reiter verkrampfen auf einem zu schmalen Pferd schnell, da die eigenen Knie sehr nah beieinander liegen und sich die Innenseiten der Oberschenkel anspannen.

… den kompletten Artikel finden Sie in der Mein Pferd-Ausgabe 3/2020.