Text: Kerstin Niemann | Foto: Jacques Toffi

Im Laufe seines Reiterlebens hat wohl ­jeder Reiter schon die Bekanntschaft mit der ­einen oder anderen Reiterweisheit ­gemacht: „Merke dir auf allen Wegen, ­Reiten lernt man nur durch Fegen“ ist ­einer davon, ein anderer: „Richtig ­reiten reicht“. ­Diese Worte wurden vom ver­storbenen Major Paul Stecken in die Reiterwelt geworfen, und ­damit hat er quasi eine Art allgemeingültige und zeitlose ­Marschrichtung formuliert. Und die lautet ganz klar: Damit Pferd und Reiter in den von ihnen geforderten Linien und ­Lektionen ein harmonisches Bild abgeben, muss der Reiter eigentlich nur eines tun: ­Alles richtig machen.

Wunsch versus Wirklichkeit

Genau da allerdings driften Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Alles richtig zu machen, ist sicher unser aller Bestreben. Es gelingt den meisten aber nur in seltenen Sternstunden. Doch wie kann es zumindest gelingen, dass wir fast alles richtig machen? Und ist es möglich, durch Hilfsmittel vielleicht schneller zum Ziel zu kommen? Der neueste Test im Hinblick auf die Frage „Kann man Sitz und Einwirkung durch den Einsatz von Hilfsmitteln schneller verbessern als ohne Hilfsmittel?“, entführt uns im weitesten Sinn in die Welt der Fitnessclubs. Mit elastischen Bändern sollen verschiedene Sitz- und Einwirkungsprobleme des Reiters schnell und wirkungsvoll gelöst werden. Fitnesstrainer und auch Physiotherapeuten empfehlen Bänder aller Art grundsätzlich als ­geeignete Hilfsmittel zur Steigerung allgemeiner Kraft, Ausdauer und Koordina­tion, alle drei sind wichtige und notwendige Fähigkeiten, die ein Reiter ebenfalls haben muss.

Zahlreiche Untersuchungen belegen auch, dass die Arbeit mit elastischen Bändern verschiedene Muskelgruppen anspricht, ­aktiviert und stärkt. Wir aber wollten genauer wissen: Was können Elastibänder wirklich für den Reiter und seine Einwirkung leisten – und wo sind ihre ­Grenzen?

 

Übung 1: Aufwärmen mit Bändern

Aufwärmen ist ein Thema, das Reiter immer wieder ­verdrängen. Aber mit diesen vier Übungen – und den ­Elastibändern – sind Sie optimal vorbereitet. Es dauert auch nur zehn Minuten!

Wir haben alle wenig Lust dazu und wissen doch, dass es uns guttut: das Aufwärmen vor dem „eigentlichen“ Sport, dem Reiten. Grundsätzlich unterscheidet man das allgemeine Aufwärmen, das große Muskelgruppen erwärmt und das Herz-Kreislauf-System auf die kommenden Belastungen vorbereitet. Dann das spezielle Aufwärmen, das von Sportart zu Sportart variiert. Für Reiter besonders wichtig: die sogenannte Cross-Koordination. Amateur-Ausbilderin Katharina Stern geht mit gutem Beispiel voran und zeigt die beste Übung, um die Cross-Koordination zu festigen: den Hopserlauf. Wer daneben auch noch den Oberkörper aufwärmt, der beim Reiten eine Vielzahl an koordinatorischen Herausforde­rungen gleichzeitig bewältigen muss, hat beste Chancen auf eine gelungene Reiteinheit. Investieren Sie zehn Tage lang zehn Minuten und testen Sie, ob der Start in die Reitstunde damit leichter wird!

Übungen für „obenrum“

• Legen Sie das Elastiband um die Schultern. Stecken Sie die ­Hände in die vorderste Schlaufe und ziehen Sie die Bänder zehn Mal nach vorne, danach zehn Mal zur Seite, das ganze drei Mal wiederholen. Sie können dies auch mit einem Partner machen.

• Behalten Sie das Band um, wie oben beschrieben. Halten Sie Ihre Arme und Hände so, als würden Sie Zügel in der Hand halten. „Boxen“ Sie 20 Mal abwechselnd mit der linken Hand nach rechts unten, mit rechts nach links unten. Breiten Sie zehn Mal beide Arme gestreckt seitlich aus, regen Sie damit Ihren Trizeps (hintere Armmuskeln) an und dehnen Sie Ihre Brustmuskulatur. Drei Wiederholungen beider Übungen.

Übungen für „untenrum“

• Legen Sie das Elastiband von hinten um Taille und Hüfte. Wickeln Sie es um das rechte und das linke Bein. Steigen Sie mit der Fußspitze in die letzte ­Schlaufe. Machen Sie dann zuerst zwei oder drei Kniebeugen mit ­ausgestreckten Armen, um sich an den Widerstand des Elastibandes zu ­gewöhnen. Die eigentliche Übung: ­Machen Sie einen Hopserlauf auf möglichst festem ­Boden (hüpfend erst rechtes Bein hoch, linker Ellbogen ans rechte Knie, dann um­gekehrt). Schaffen Sie drei Minuten ohne Pause?

• Behalten Sie das Band um, wie oben beschrieben. Heben Sie das linke Bein auf einen Putzkasten. Dehnen Sie den Oberkörper in Richtung Fußspitze des ausgestreckten, hochgelegten Beins. An Wade und hinterer Oberschenkelmuskulatur sollte es leicht ziehen. Zehn Sekunden halten, Bein wechseln. Fünf Wiederholungen.

… in der Ausgabe 1/18 finden Sie weitere Übungen und Tipps zu den Elastibändern.

Hier können Sie die Bänder als Prämie zu einem Mein Pferd-Abo erhalten.