Text: Aline Müller           Foto: www.Slawik.com

Tagtäglich werden Lektionen wie selbstverständlich eingesetzt. Der Ritt im Dressurviereck ist ja nicht planlos – oder vielleicht doch? Wissen Sie, welche Übung welchen Trainingseffekt hat? Babette Teschen und Tania Konnerth machen Schluss mit der Orientierungslosigkeit und zeigen, wie Sie die richtige Wahl am Lektionen-Buffet treffen

Ein Potpourri der Lektionen

Jede Lektion hat einen unterschiedlichen Trainingseffekt. Bevor der Reiter eine Übung von seinem Pferd verlangt, sollte er wissen, welchen Nutzen sie hat und welches Ziel er damit in der jeweiligen Trainingseinheit verfolgt. Auch die Zusammenhänge zwischen sich ergänzenden und aufeinander aufbauenden Lektionen sollten bekannt sein. Hier ein paar Beispiele:

Übergänge:

Je nachdem, an welchen Übergängen der Reiter arbeitet, haben sie unterschiedliche Wirkungen. Generell erfordern und trainieren Übergänge in ein höheres Tempo die Schubkraft. Sie erhöhen die Vorwärtstendenz sowie den Schwung und ermutigen das Pferd zu einem fleißigeren Vorwärts. Übergänge in eine niedrigere Gangart verlangen mehr Tragkraft und Lastaufnahme. Schritt-Trab-Schritt- und Trab-Galopp- Trab-Übergänge, in denen lange in der einen oder anderen Gangart verweilt wird, sind in der Aufwärmphase ideal. Sie fördern die Losgelassenheit und Rücken- aktivität, verbessern die Anlehnung, den Bewegungsablauf und das Gleichgewicht. Kurze, schnelle Übergänge sind hingegen förderlich für eine aktivere Hinterhand und mehr Versammlungsbereitschaft. Ganze Paraden, die immer zum Halten führen, oder einfache Galoppwechsel (Schritt-Galopp-Schritt) erhöhen den Schwierigkeitsgrad für Pferd und Reiter. Sie schließen ein Pferd gut von hinten nach vorn an die Reiterhand heran, kräftigen die Hinterhand, schulen die Versammlungsfähigkeit sowie die Nach- giebigkeit im Genick. Sie sind ideal für die Arbeitsphase.

Tempiunterschiede:

Verschiedene Tempi innerhalb einer Gangart sind optimal für die Trainingsphase und bauen auf den lösenden Gangartenwechseln auf. Sie ähneln einem kurzen Sprint und sind mächtig anstrengend. Dank ihnen lässt sich die Qualität der einzelnen Gangarten selbst verbessern. Durch Zulegen und Auf- nehmen kann zudem bereits phasenweise Versammlung und Verstärkung erarbeitet werden. Sie machen das Pferd außerdem besonders aufmerksam auf die Reiterhilfen und verfeinern die Kommunikation.

Handwechsel:

Handwechsel lassen sich mithilfe von Bahnfiguren auf geraden oder gebogenen Linien durchführen. Erstere, wie z.B. durch die ganze Bahn wechseln, sind leichter auszuführen und daher ideal für das Warm-up, letztere sind anspruchsvoller (z. B. durch den Zirkel wechseln) und eignen sich besser für die Arbeitsphase.

Zirkel:

Das Reiten eines Zirkels ist eine lösende und eher entspannende Übung. Damit lässt sich eine leichte, aber beständige Biegung aufbauen. Darauf aufbau- end erfolgt u.a. das Zirkelverkleinern und -vergrößern. Die Lektion dient der weiteren Verbesserung der Längsbiegung und mehr Aktivität und Lastaufnahme der Hinterhand in der Arbeitsphase.

Volten:

Auf den Zirkel aufbauend folgen Volten. Sie haben einen erhöhten Schwierigkeitsgrad und gehören in die Arbeitsphase. Je nach Größe wird hierbei eine starke Längsbiegung und Lastaufnahme verlangt. Je kleiner die Wendung, desto geschlossener und ausbalancierter muss ein Pferd sein.

Schlangenlinien:

In der einfachen Schlangenlinie geht es darum, harmonisch und ganz allmählich von einer Stellung und Biegung in die andere zu wechseln. Sie ist ideal für die Lösungsphase. Bei der doppelten Schlangenlinie ist die Abfolge der wechselnden Stellung und Biegung deutlich schneller. Daher gehört diese eher zu den versammelnden Übungen. Schlangenlinien mit drei oder mehr Bögen erfordern nochmals mehr Geschmeidigkeit, Geraderichtung und Konzentration.

Seitengänge:

Seitengänge haben einen stark gymnastizierenden und kräftigenden Wert, bedürfen aber einer sehr hohen Konzentrationsfähigkeit. Auf dem Weg zu einer vermehrten Lastaufnahme durch die Hinterhand und einer verbesserten Versammlung sind sie das Mittel der Wahl. Auch hier gibt es eine systematische Steigerung: von einer korrekten Längsbiegung auf kleineren, gebogenen Linien und Vorübungen wie Schultervor und Reiten-in-Stellung über Schulterher- ein und Konterschulterherein zu Travers, Renvers und Traversalen.

Weitere Tipps für die Gestaltung des Trainings finden Sie in der neuen Mein Pferd- Ausgabe.