Text: Inga Dora Schwarzer    Foto: www.Slawik.com

Freundlichkeit als Erfolgsgeheimnis im Sattel? Davon sind die Ausbilderinnen Babette Teschen und Tania Konnerth überzeugt. Sie zeigen, wie ein pferdefreundliches Training gelingen kann und warum es dabei vor allem auf den Reiter, sein Verständnis für das Pferd, seine Hilfengebung und seine Bereitschaft, Gelerntes kritisch zu hinterfragen, ankommt

Volle S-Bahnen sind Orte, an denen paradoxerweise jeder so tut, als sei er allein im Abteil. Es wird aus den Fensterscheiben gestarrt oder aufs Display des Smartphones. Aus den Augenwinkeln jedoch erntet jeder Kinderwagen und jede zu große Tasche, die von Passagieren hineingeschleppt wird, missbilligende Blicke. Und auch jedes belegte Brötchen mit Ei wird sofort zum übel riechenden Hass-Objekt degradiert. Was aber passiert, wenn einem das Gegenüber einen „Guten Morgen“ wünscht, beim Auspacken des Essens einen „Guten Appetit“ und beim Aussteigen ein „Auf Wiedersehen“ zuruft? Ist das Zeitverschwendung oder unnötige Schmeichelei? Nein, so wird mit nur wenigen Worten aus einem Ort der Unfreundlichkeit ein Ort der Freundlichkeit.

Echtes Interesse

Als Freundlichkeit bezeichnen Umgangssprache und Sozialpsychologie das anerkennende, respektvolle und liebenswürdige Verhalten eines Menschen und zugleich die innere wohlwollende Geneigtheit gegenüber seiner sozialen Umgebung – quasi eine Grundhaltung, seinen Mitmenschen freundlich begegnen zu wollen. So jemand bringt anderen ein echtes Interesse entgegen, nimmt Rücksicht auf deren Situation und Emotionen und versucht, sich so zu benehmen, dass niemand Anstoß nehmen kann.

Das Problem? Freundliches Verhalten oder Nett-Sein wird oft als Schwäche ausgelegt. Dabei erfordert dieses Verhalten viel Herz, Empathie und Verstand. Es kann eine echte Kraftanstrengung sein, freundlich zu bleiben, vor allem dann, wenn andere es vielleicht gerade nicht sind. Wer freundlich bleibt, zeigt Selbstkontrolle, Selbstvertrauen und Stärke und verbessert die Atmosphäre um sich herum. Das öffnet Türen und führt langfristig immer zum Erfolg – wie zahlreiche Studien belegen.

Genau diese Freundlichkeit vermissen die Ausbilderinnen Babette Teschen und Tania Konnerth im Zusammensein mit dem Pferd. Sie plädieren daher für mehr pferdefreundliches Reiten. Was dafür nötig ist? „Wir sollten ein solides Grundlagenwissen über Pferde und viel Verständnis für das Wesen dieser Tiere haben. Wir müssen lernen, die Signale von Pferden zu erkennen, richtig zu deuten und angemessen zu reagieren. Es bedarf eines bestimmten Mindsets, bestehend aus ethisch-moralischen Werten für gute Entscheidungen, eine möglichst große Problemlösungskompetenz und Geduld. Wir sollten bereit und fähig zur Selbstreflexion und zum kritischen Hinterfragen sein. Wir sollten für ein bestimmtes Maß an Fitness und Beweglichkeit bei uns selbst sorgen. Wir brauchen eine Reihe von praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Reitersitz, Hilfengebung und Ähnliches)“, zählen sie in ihrem neuen Online-Kurs „Mit dem Herzen voran“ konkrete Aspekte auf.

Leider gibt es dafür keine Geheimrezepte und keine Abkürzung, keinen magischen Knopf zum Drücken und auch kein praktisches 10-Schritte-Programm per App, so die beiden weiter. Doch jeder Reiter kann etwas tun, um so pferdefreundlich wie möglich zu handeln und sein Reiten so zu gestalten, dass es zu einem Erfolgsprojekt wird – und zwar mit dem Einverständnis des vierbeinigen Sportpartners.

Den kompletten Artikel finden Sie in der aktuellen Mein Pferd-Ausgabe.