Text: Aline Müller        Fotos: Ilja v. d. Kasteele

Besonders im Winter kann die Reithalle zu einer Belastungsprobe werden. Es wird geritten, longiert und geführt – alles auf einmal. So manches Pferd lässt sich von der Stimmung seiner Kumpels anstecken. Anderen wird es einfach zu eng in dem Trubel. Doch gegen Bocken, Kleben, Angst oder Aggression können Sie etwas tun.

Stellen Sie sich vor, Sie säßen in einem Wartezimmer. Aus dem Behandlungsraum strömt Rauch, aber alle Patienten bleiben ruhig. Wie würden sie sich verhalten? Ein Experiment dieser Art wurde tatsächlich durchgeführt. Die Wartenden waren allerdings eingeweiht. In nahezu allen Fällen blieb die Testperson ruhig und beobachtete die Reaktionen. Die Zeitschrift „Animal Behaviour“ veröffentlichte 2008 eine Studie der Leeds University, die belegt, dass es im Schnitt nur fünf Prozent einer Gruppe braucht, die den Weg vorgeben, damit die restlichen 95 Prozent folgen. Was das mit Reiten in der Halle zu tun hat? Eine Menge, denn Mensch und Tier sind in ihrem „Herdenverhalten“ gar nicht so verschieden. So wie wir uns an Mitmenschen orientieren, suchen Pferde nach Signalen bei ihren Artgenossen. Kleben, Bocken und Scheuen sind im ursprünglichen Sinne keine „Unarten“, sondern instinktbedingte Reaktionen.

800 Quadratmeter Spielraum

Eine Reithalle ist ein toller Komfort – für uns. Sie bietet Schutz und Sicherheit, kann aber auch Unsicherheit und Angst auslösen – beim Pferd. Auf 800 Quadratmetern berauben wir es um seine wirkungsvollste „Waffe“, den Fluchttrieb, und fordern gleichzeitig Gehorsam. Diese Punkte müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, aber damit ein Pferd sich sicher fühlt und lernen kann, ist eine Beziehung Voraussetzung, die auf Respekt, Vertrauen und Konsequenz beruht. Dafür ist es wichtig zu verstehen, warum Pferde gewisse Verhaltensmuster zeigen.

Zunächst stellt der Mensch die Regeln in der Halle auf. Klar, sonst würde es bei mehreren Reitern Durcheinander geben. Das Chaos gibt es aber oft auch so. Besonders zu den Ballungszeiten – denn gerade im Winter scheinen alle zur selben Zeit in die Halle zu wollen. Einer longiert und lässt sein Pferd ein bisschen toben, während auf dem anderen Zirkel ein Wallach die Chance für einen befreienden Bocksprung nutzt – im wahrsten Sinne des Wortes, denn sein Reiter ist jetzt Fußgänger, und die neue Freiheit wird mit einer Ehrenrunde quer durch die Bahn gefeiert. Eigentlich hört man jetzt hauptsächlich Schimpfen und sieht Reiter, die ihre Tiere am kurzen Zügel „zur Vernunft“ bringen wollen. „Typisch, meine Stute lässt sich immer anstecken“, sagt eine Frau und gibt der Braunen einen Klaps.

Recht hat sie in einer Sache wirklich: Bei mehreren Pferden in der Halle herrscht Ansteckungsgefahr. Ob Ruhe oder Nervosität, unsere Tiere reagieren sehr sensibel auf die Stimmung und Signale ihrer Artgenossen. Und sie folgen dabei ihren eigenen Regeln. Hallenordnung hin oder her. Die Tür ist frei, wenn sie offen ist, und ganz so nah möchten einige dann doch nicht an drohenden Pferden vorbeigehen. Dafür gibt es einen Platz, der bei vielen Schulponys heiß begehrt ist: das Ende der Abteilung. Da müssen sie nichts beachten, nur hinterhertrotten. Pferde, die an den Hilfen stehen und locker kontrolliert vorwärts gehen, vermitteln den Kumpels: „Ich habe Vertrauen in meinen Reiter und begebe mich in seine Obhut.“ Ein unsensibler Mensch, der mit seinem Vierbeiner Machtkämpfe austrägt oder ihn straft, ist ein Störfaktor. Vor allem junge, unerfahrene Pferde können ein festgezogenes Pferd mit hoher Nase nicht einschätzen und beziehen dessen gesendete Signale von Unmut nicht selten auf sich.

Doch was tun, wenn die Zeit in der Halle zur Zerreißprobe wird? „Grundsätzlich gilt: Gibt es schon im Umgang Probleme, sollte man am Boden die Rangordnung klären und Vertrauen aufbauen“, erklärt die Tierpsychologin Jessica Tramm. Im Sattel muss der Reiter lernen zu differenzieren. Beispielsweise wenn ein Pferd bockt.

…den kompletten Artikel finden Sie in der März-Ausgabe.