Text: Aline Müller     Foto: Daniel Elke

Seitengänge auf dem Stoppelfeld, Kontergalopp im Wald oder Krafttraining am Berg – Die freie Natur bietet zahlreiche Möglichkeiten, das Pferd sinnvoll zu gymnastizieren. Mit diesen Übungen können Sie im Gelände gezielt an Lektionen arbeiten, die Durchlässigkeit verbessern und Ihren Vierbeiner motivieren.

Abwechslung und eine individuelle Trainingsgestaltung sind zwei wichtige Knackpunkte in der Ausbildung des Reitpferdes. Doch viele Vierbeiner kennen nur die Arbeit in der Reithalle oder auf dem Viereck. Dabei machen Lektionen auch im Gelände Spaß, und manche gelingen dort sogar leichter. Ein gutes Dressurviereck bietet den Vorteil eines ebenen, weich federn den, aber trotzdem nicht zu tiefen Bodens. „Dieser erleichtert oft erst einmal die taktmäßige und losgelassene Bewegung“, erklärt die FN-Trainerin Katharina Möller, die ein Buch über das Thema Dressurtraining im Gelände geschrieben hat. Sie betont, dass auf der anderen Seite gerade der unebene, vielseitige Boden in der Natur Gleichgewicht, Koordination und somit die gesunde Entwicklung des Pferdes fördere. Am besten überprüfen Sie die gegebenen Landschafts- und Bodenverhältnisse und entscheiden zudem stets individuell, wohin Sie das Training gerade verlegen.

Gezielt trainieren – auch in der Gruppe

Wie Sie Ihr persönliches Dressurtraining im Gelände aufbauen, hängt unter anderem vom Ausbildungsstand von Pferd und Reiter sowie von der jeweiligen Zielsetzung ab: Was genau möchten Sie fördern oder verbessern? Vielleicht geht es darum, dass Ihr Pferd eine neue Lektion lernen soll, oder Ihr Thema ist gerade das Verbessern von Rittigkeitsproblemen. „Jede einzelne Arbeitseinheit erfüllt einen Zweck. Selbst der vermeintliche ‚Bummelausritt‘ mit Freunden fördert das zwanglose Schreiten und somit den Raumgriff im Schritt“, gibt unsere Expertin zu bedenken. Ob Sie nun alleine, zu zweit oder in einer Gruppe ausreiten, ist ebenfalls von Ihren Trainingszielen abhängig. So kann ein Führpferd einem ängstlichen Vierbeiner Sicherheit vermitteln oder ein triebiges Pferd motivieren. Bei den ersten Ausritten geht es häufig nur um die Losgelassenheit in den Grundgangarten. Aus diesem Grund sollte der Reitpartner ein Pferd mit ähnlichem Gangvermögen reiten und das Tempo insgesamt an das junge oder noch unerfahrene Pferd anpassen. „Sobald vom Ausbildungsstand her Tempounterschiede möglich sind, können sich auch ungleiche Paare zusammen finden und sich einander anpassen“, sagt Katharina Möller und rät: „Wenn Sie gemeinsam reiten, besprechen Sie vorab, dass Sie einen Dressurausritt machen und was Sie genau üben möchten.“

Die Linie finden – auch im Gelände

Das Reiten auf gerader Linie ist nicht nur ein essenzielles Ziel in der Grundausbildung, sondern es ist auch für die höheren Lektionen wichtig. Dem Pferd muss zu seitlichem Gleichgewicht verholfen werden. „Eine Linie kann der Reiter nur dann halten, wenn er sein Pferd zwischen beiden Beinen, im Speziellen zwischen den Oberschenkelknochen, und beiden Zügeln bei festgestelltem Halsansatz wie einen Zug auf Schienen führen kann“, erklärt Katharina Möller. Da im Gelände weder Bahnpunkte noch eine seitliche Begrenzung vorhanden sind, müssen die Linien hier selbst gewählt werden. Zu Beginn können Landschaftsmerkmale die Orientierung im Raum erleichtern. „Je besser das Pferd ins Gleichgewicht findet, je mehr es geradegerichtet und versammelt wird, desto schöner, sicherer und fließender werden seine Bewegungen und desto unabhängiger wird man vom vorhandenen Gelände werden“, erklärt die Ausbilderin. Zu Beginn sind in der Regel übersichtliche Waldwege oder Wege, die anderweitig seitlich begrenzt sind, am leichtesten zu reiten. Der vor einem liegende Weg ist klar ersichtlich, und auch weniger routinierte Geländereiter und -pferde finden hier schnell Sicherheit und ein gleichmäßiges Tempo. Planen Sie die Strecken immer mit Bedacht, um keine Überraschungen zu erleben. Bevor Sie die Linie beeinflussen können, ist es jedoch wichtig, dass Ihr Pferd gleichmäßig schreitet, trabt oder galoppiert.

Den Takt finden – ein erstes Ausbildungsziel

Das Erreichen taktmäßiger Bewegung ist untrennbar mit körperlicher und geistiger Losgelassenheit verbunden. So können längere Etappen in gleichbleibend ruhigem Tempo dem Pferd helfen, loszulassen und mit der Zeit den steten Kontakt zur Reiterhand zu finden. Dabei gehen Sie im Trab und Galopp in den Entlastungssitz oder traben wahlweise leicht. Durch eine korrekte Arm- und Handhaltung bieten Sie Ihrem Pferd eine Anlehnung an. Sitzen Sie stabil und verhalten Sie sich ansonsten möglichst passiv. „Dabei ist es von größter Bedeutung, den Hals des Pferdes nicht durch aktiven Handgebrauch in Form bringen zu wollen, denn er wird als Balancierstange benötigt“, betont Katharina Möller. „Dass Ihr Pferd loslässt, bemerken Sie unter anderem daran, dass sich sein Atemrhythmus mit dem Laufrhythmus synchronisiert.“ Geduld ist ein weiterer wichtiger Punkt. Viele Vierbeiner wollen auf den ersten Metern im Trab oder Galopp Gas geben und das Führpferd überholen, oder sie beginnen zu drängeln und verspannen sich. Unsere Expertin rät, in solchen Momenten in möglichst gleichmäßigem Tempo unbeirrt weiterzureiten und vom anfänglich nötigen Bremsen über die Zügelhilfe wegzukommen. Versuchen Sie, das Tempo zunehmend über Ihren Sitz und den Rhythmus der Einwirkung zu bestimmen. Erfahrungsgemäß werden die meisten Pferde nach dem zweiten oder dritten Kilometer deutlich ruhiger. „Beenden Sie die Trab- oder Galoppreprise abhängig von der Wegesituation möglichst erst, wenn das Pferd gelassen unter Ihnen trabt oder galoppiert, was bedeutet, dass Sie einige Hundert Meter passiv sitzen können und das Pferd seinen Takt gefunden hat“, rät unsere Expertin.

…den ganzen Artikel – inklusive vieler Übungen – finden Sie in der September-Ausgabe.