Ihr größter Wunsch war es, einmal einen Friesen zu reiten. Doch statt einem stellte die Friesenquadrille Westfalen ihr gleich sechs Friesen zur Verfügung, und unsere Wunschpferd-Kandidatin Demona Dollinger hatte die Qual der Wahl
Text: Jessica Classen; Fotos: Alois Müller

„Das werde ich mir niemals alles merken können“, sagt Wunschpferd-Kandidatin Demona Dollinger mit einem Lachen. Wir stehen in der Reithalle von Detlev Edelhoff, dem Trainer und Begründer der Friesenquadrille Westfalen, und schauen uns erst einmal an, wie eine Trainingseinheit in Iserlohn aussieht. Im Anschluss darf Demona dann genau das tun, was sie sich gewünscht hat und wofür sie fast 400 Kilometer Fahrt in Kauf genommen hat – einen Friesen reiten, und das als Teil der Friesenquadrille. „Das ist mehr, als ich erwartet habe“, gibt sie strahlend zu. Obwohl sie sich freut, dass ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist, ist ihr dann doch etwas mulmig zumute: „Ich werde bestimmt für einige Auffahrunfälle sorgen. Die ganzen Formationen zu behalten, und das auch noch in der richtigen Reihenfolge, wird mir einiges abverlangen. Aber solange ich einfach hinterherreiten kann, ist alles gut.“ Wenn Träume wahr werden Obwohl die Sonne scheint, bilden sich Atemwölkchen vor unserem Mund. Es ist klirrend kalt, und wir huschen schnell in die Reithalle. Eigentlich müsste es um diese Jahreszeit viel wärmer sein. Eigentlich. Aber eigentlich wollte Demona auch einfach nur einen Friesen reiten, und stattdessen bekam sie sechs. „Das ist wirklich großartig! Ich bin noch nie in einer Quadrille geritten und bin deshalb besonders gespannt, wie es sein wird, in einem solchen Team dabei zu sein“, sagt sie.

„Endlich kann es losgehen“

„Wir haben uns überlegt, dass sie auf Arco, einem 15-jährigen Wallach, reiten wird“, erklärt Detlev Edelhoff, während die Mädchen und Frauen von der Friesenquadrille Westfalen sich und ihre Pferde warm machen. „Da sie noch nie auf einem Friesen gesessen hat, sollte sie beim ersten Mal einen reiten, der nicht so sehr schmeißt.“ „Schmeißen?“, fragen wir uns verwundert. Schon kurze Zeit später, als die Friesenquadrille uns ihr Können und ihre neuesten Formationen zeigt – erst im Schritt und dann in einem schwungvollen Trab –, erfahren wir, was das bedeutet: Es muss unglaublich schwer sein, bei dieser Aktion der Vorderbeine sitzen zu bleiben und nicht aus dem Sattel geworfen zu werden. Nachdem Demona sich ansehen durfte, wie es bei der Friesenquadrille zugeht, darf sie nun dazukommen und mitmischen. Arco wird ihr überlassen, und dann kann es auch schon losgehen. „Der Schritt ist schon viel raumgreifender als bei meinem Pferd“, ruft sie nach den ersten Metern vom Sattel aus. Nach ein paar gemächlichen Runden schaltet sie trotzdem schnell einen Gang höher – und trabt erst einmal leicht. „Bevor’s mich hinauswirft, fang ich erstmal langsam an“, sagt sie grinsend. „Er ist doch ein bisschen schwerer zu sitzen, als mein Traber zu Hause.“

Formationen – keine leichte Sache

Gleich die erste Formation, die Demona mitreiten darf, gehört zu den etwas schwierigeren: die Mühle. Diese Formation wird aus zwei Abteilungen aufgebaut, die gegeneinander im Kreis reiten und sich gemeinsam drehen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Pferde alle auf einer Höhe bleiben. „Sie soll ja nicht umsonst den weiten Weg angereist sein und dann nichts von ihrem Wunschpferd haben“, sagt Detlev Edelhoff. „Also muss sie auch richtig mitreiten – am besten alles aus den ganzen Jahren im Schnelldurchlauf.“ Bei der nächsten Formation – dem S durch die Anzeige ganze Bahn – müssen sie sogar drei Anläufe nehmen, bis es funktioniert. „Und dabei war die Neue nicht einmal die schlechteste. Da habe ich weiter hinten weitaus Schlechteres gesehen“, ruft der Trainer lachend quer durch die Halle. Bei den anderen Figuren – dem Slalom durch die anderen hindurch oder bei verschiedenen Voltentechniken – rufen die anderen Reiterinnen Demona immer wieder zu, was sie zu tun hat. „Es ist gut, dass die anderen auf mich aufpassen. Ansonsten würde es hier wirklich Stau und Knoten geben“, sagt sie. „Ich bin ja schon froh, dass wir erst einmal alles im Schritt üben. Ansonsten würde ich mich total verfransen.“

Ein rundum gelungener Tag

Nach dem Training, bei dem Demona noch viele weitere Formationen lernen durfte, reitet die Truppe noch eine Runde durch die Felder. „Das machen wir im Anschluss immer“, sagt Steffi, eine der Mitreiterinnen. „Es soll ja alles in allem Spaß machen.“ Spaß hat vor allem auch Demona: „Dass ich so nett in das Team aufgenommen wurde, bedeutet mir unglaublich viel. Es hat sich definitiv gelohnt, den weiten Weg gekommen zu sein“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Ich überlege sogar, mir selbst mal einen Friesen zu holen. Meine Faszination für diese Rasse hat nach dem heutigen Tag eindeutig zugenommen.“

Fazit der Kandidatin: „Friesen sind wirklich wunderschöne Pferde mit langen schwarzen Mähnen und viel Behang an den Beinen. Sie haben einen tollen Charakter und anmutige Bewegungen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, auf Arco sitzen zu dürfen. Er war erstaunlich gemütlich zu sitzen. Das Mitwirken bei der Friesenquadrille Westfalen war wunderbar – das gesamte Team hat mich so warmherzig aufgenommen, das ist schon etwas Besonderes. Das Reiten in einem Team hat total viel Spaß gemacht, und es war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich kann jedem, der die Chance einmal bekommen sollte, nur empfehlen, auf einem Friesen zu reiten, weil man dieses Gefühl kaum beschreiben kann, und es einfach wunderbar war.“