Text: Alexandra Koch          Foto: imago stock&people

Norwegen ist immer eine Reise wert – auch für Pferdefreunde. Nachdem ich im vergangenen Jahr den Süden Schwedens erkundet hatte, war nun das im Westen angrenzende Land der Fjorde an der Reihe. Doch Norwegen hat viel mehr zu bieten als eine beeindruckende Küstenlinie. Am besten zu erkunden ist das Land auf den Spuren der Fjordpferde, eine der ursprünglichsten Rassen Europas.

Als Fjordpferd oder Norweger bekannt, eroberten die stämmigen Kleinpferde von ihrer Heimat aus ganz Europa. Heute findet man sie in vielen Reitschulen überall auf der Welt. Berühmt sind Fjordpferde vor allem für ihr besonderes Aussehen. Dazu tragen speziell zwei Merkmale bei: Zum einen der Aalstrich auf dem Rücken, der noch aufs Urpferd verweist. Manche Fjordpferde haben zudem leichte Zebrastreifen an den Beinen, ebenfalls ein untrügliches Zeichen für ihre Ursprünglichkeit. Auch die Falbfarbe ist für die Rasse obligatorisch.

Das Fjordpferd

Speziell ist bei vielen, aber nicht allen Fjordpferden eine typische schwarz-weiße Stehmähne. Diese rührt aber nicht etwa von einer besonderen Laune der Natur her, sondern entsteht durch eine spezielle Schur der Mähne. Viele Fjordpferde tragen ihre Haarpracht auch lang und ungeschoren, weshalb sie sich dann nicht von der Mähne anderer ursprünglicher Ponyrassen unterscheidet und seitlich nach unten fällt.

Der Körperbau der 1,32 bis 1,42 Meter großen Ponys ist gedrungen und kräftig, sodass sie auch Erwachsene problemlos tragen. Die Beine sind kurz und die Hufe sehr hart. Die damit verbundene Trittsicherheit kam den Tieren vor allem früher zugute, als sie in den Bergregionen Norwegens die Bauern bei der Arbeit oder in der Bergbauregion um Røros im Osten des Landes die Kumpel beim Transport des dort abgebauten Kupfers unterstützten. Heute zählt der kleine Ort in den Bergen zum Weltkulturerbe und eröffnet einen hochinteressanten Blick auf die harte Arbeit früherer Zeiten. Auch im Silberbergwerk Kongsberg nahe Oslo wirkten die stämmigen Fjordpferde beim Abtransport des wertvollen Metalls mit. Heute können Besucher dort die Welt unter Tage per Grubenbahn kennenlernen oder die prachtvolle Kirche der Bergbauer bewundern. Finanziert wurde das überdimensionale Gotteshaus im winzigen Ort von den reichen Minenbesitzern, welche es zur Pflicht machten, dass alle Bergleute dort morgens früh den Gottesdienst besuchten – getrennt von den Logen der reichen Bauherren natürlich.

Vor langer Zeit

Doch zurück zur berühmten norwegischen Pferderasse. Von allen europäischen Rassen ähnelt sie am meisten dem ursprünglichen asiatischen Wildpferd, auch bekannt als Przewalski-Pferd. Erste Spuren der Fjordpferde findet der Reisende schon auf Runensteinen, die weit mehr als 1.000 Jahre alt sind. Da wäre beispielsweise der Runenstein von Eggja, den man heute im Historischen Museum von Bergen bewundern kann. Das Museum befindet sich in einem Park im Süden der Stadt.

Wer mehr über die Geschichte des Pferdes in Norwegen erfahren möchte, sollte sich die Reise durch die Zeiten dort nicht entgehen lassen. Ansonsten lohnt in Bergen der Besuch der typischen Altstadthäuser, die dort einst durch deutsche Kaufleute erbaut wurden. Sie stehen unter dem Schutz der UNESCO. Die beste Sicht über Stadt und Fjord gibt es vom Berg Fløyen aus. Außerdem ist das Hafenviertel mit dem Fischmarkt einen Abstecher wert. Dort kann man – wie eigentlich in allen norwegischen Küstenstädten – besonders köstlichen fangfrischen Fisch kosten. Bedenken sollte man auf seiner Reise, dass das Preisniveau in Norwegen deutlich höher ist als in Deutschland.

Gefunden wurde der Runenstein von Eggia, den man auf ungefähr 700 nach Christus datiert, am Sognefjord, der auch als der schönste Fjord des Landes bezeichnet wird, um diesen Titel aber mit etlichen Mitstreitern konkurriert. Fakt ist, dass der Sognefjord der längste und tiefste Fjord Norwegens ist. Von ihm führen zwei kleinere, aber sehr sehenswerte Fjorde ins Landesinnere. Zum einen der Narøyfjord, der schmalste aller Fjorde, zum anderen der Aurlandsfjord, der den Anschein erweckt, als würde seine Umgebung aus „Der Herr der Ringe“ stammen. Er soll den Autor J. R. R. Tolkien zu seinen Werken inspiriert haben.

…den kompletten Reisebericht lesen Sie in der Ausgabe 7/2020.