Text: Silja Moser-Salomon          Foto: Silja Moser-Salomon/Marc Moser

Silja Moser-Salomon durfte am traditionellen Weideauftrieb der regionstypischen Merens-Pferde teilnehmen.

Als Pferdebesitzerin und Journalistin ist es fast selbstverständlich, dass Pferde einen großen Teil meines beruflichen und privaten Lebens einnehmen. Um so mehr freute es mich, als ich die Gelegenheit bekam, bei der diesjährigen „Transhumance en Bethmale“ (http://www.transhumance-en-bethmale.fr) mitzureiten. Anreise war zwei Tage vorher auf der „Ferme équestre Cavalus“ (www.cavalus.com), eine einfache aber gemütliche Farm oberhalb des Pyrenäen-Dorfes Biert – mitten im Nirgendwo. Von hier aus brachen wir am nächsten Morgen mit dem Züchter Govan Quinquis und seinen regionstypischen Merens-Pferden, den schwarzen Perlen der Pyrenäen, auf zu unserem mehrtägigen Ritt durch die Pyrenäen. Die abwechslungsreiche Landschaft bis ins 35 Kilometer entfernte Saint-Lizier hat uns alle gleich verzaubert: Sattgrüne Wälder wechselten sich mit kargen Wiesen, blühendem Ginster, klaren Bächen und idyllischen Dörfchen ab.

Pünktlich startete am zweiten Tag die „Transhumance en Bethmale“ am Stadtrand von Saint-Lizier. Das Rufen der Treiber und die Glocken der Leitstuten kündigten sie an, die Pferde der großen Herde. Die Stuten mit ihren Fohlen, die den Sommer frei auf den Bergweiden der Pyrenäen verbringen. Treiber zu Fuß begleiteten die Tiere und trieben sie die Straße zur Stadt hinauf. Nach dem letzten Pferd ging es für uns im Trab hinter der Herde her, hoch in die Altstadt von Saint-Lizier. Vor uns die freilaufenden Pferde in den engen mittelalterlichen Gassen. Glocken, Wiehern, das Geklapper von Hufen auf Asphalt, das von den sandfarbenen Häusern widerhallte. Ein einzigartiger Moment, in dem die Zeit für uns kurz stillzustehen schien. Leute kamen aus den Häusern, grüßten und winkten, während immer mehr Wanderer uns begleiteten. Viel zu schnell lag die Altstadt hinter uns. Unterwegs wurde jeder Brunnen, jeder Bachlauf mit flachem Ufer zum Tränken der Tiere genutzt. Acht Kilometer weiter erwartete uns in Moulins der erste Rastplatz mit einer längeren Pause für die Pferde und einem Dorffest für uns. Während sich die Fohlen auf einer großen Weide erschöpft neben ihren Müttern ablegten, freuten wir uns bei Volksfeststimmung über das herzhafte regionale Essen. Die Uhr nicht im Blick kam der Aufbruch schnell und hektisch, der Zeitplan musste eingehalten werden. Zum Nachmittag wurden wir bereits in Castillon en Couserans zur nächste Pause erwartet, natürlich mit Dorffest, bevor es auf die letzte Tagesetappe ging. Gegen 19 Uhr und nach insgesamt 21Kilometern erreichten wir das Nachtquartier unserer Pferde, während die Stuten und Fohlen noch etwas den Berg hochzogen.

Am nächsten Tag genossen alle aus unserer Reitergruppe gut gelaunt die morgendlichen Sonnenstrahlen. Was wir noch nicht wussten: Heute kamen wir als Treiber zum Einsatz. Während am Vortag in den Dörfern und auf den Straßen die Treiber zu Fuß gefragt waren, sollten die Wälder und Bergwiesen mit ihren Engpässen vermehrt die Aufgabe der Reiter sein. Kurz verbreitete sich ein flaues Gefühl in der Magengegend. Aber auf unsere Pferde war auch bei dieser Aufgabe Verlass und bald klappte es mit dem Absichern und Treiben der Herde richtig gut. Mit weniger Wegstrecke als am Vortag lag nach einer letzten Kurve gegen 13 Uhr das Weidegebiet von Bethmale vor uns: Campul mit seinen grünen Bergwiesen, den schroffen Felsen und einem rauschenden Wasserfall – und dem schon gewohnten Volksfest.

Ihre Silja Moser-Salomon

www.textkaktus.de

 

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