Von Februar bis April 2017 war Pferdepflegerin Petra Schneider als Pferde-Au-pair in La Cala de Mijas. Dort erlebte sie die spanische Lebenslust und Leichtigkeit – nicht als Tourist, sondern dazugehörend.

Endlich angekommen: Nach über 2.400 Kilometern, drei Übernachtungen und vielen Pausen stand ich mit meinem vollgepackten Auto auf dem Aldi-Parkplatz in La Cala de Mijas an der Costa del Sol. Dort empfing mich die Besitzerin der Tiere, die ich in den nächsten Wochen betreuen würde. Die Idee dazu kam mir vor über einem Jahr, als ich mich beruflich neu orientierte. Dazu gehörte für mich natürlich auch ein Aufenthalt im Ausland. Nach der herzlichen Begrüßung ging es dann mit den Autos in Richtung Finca, die etwas abseits von Ort und Strand lag. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an vereinzelten Häusern und einer Golf- und Ferienanlage vorbei, in der Ferne konnte ich die Sierras erkennen. Die Nachmittagssonne ließ alles in einem wunderschönen Licht erscheinen, und es fühlte sich sehr vertraut an. Nach einigen Kilometern verließen wir die geteerte Straße und fuhren auf einem Schotterweg zur Finca. Dort angekommen, begrüßten mich gleich zwei Wachhunde. Danach stellte mir die Besitzerin die beiden Pferde vor – einen braunen Wallach und eine Schimmelstute – und zeigte mir, wo das Futter stand, die Sattelkammer war, Heu- und Strohballen lagerten und einiges mehr. Auf dem 6.500 Quadratmeter großen Gelände hieß das, täglich weite Wege zurückzulegen. Es war schon recht spät geworden, und nach der langen Fahrt ging ich dann in mein Zimmer, legte mich aufs Bett und hörte den mir noch neuen und unbekannten Geräuschen zu. Ich schaute direkt in den Himmel, der sich schwarz und voll mit unzähligen funkelnden Sternen über mir ausbreitete. Ich fühlte die Nähe zur Natur und mir wurde schnell klar, dass ich unglaubliches Glück hatte, diese Au-pair-Stelle im Internet gefunden zu haben. Es passte vom ersten bis zum letzten Tag einfach alles. Nach zwei Tagen hatte ich meine Routine, und die Besitzerin flog dann auch schon nach Deutschland, um ihre Verwandten zu besuchen. Meine tägliche Arbeit begann mit der morgendlichen Fütterung und ersten Sicht auf die Pferde, danach frühstücken, aufräumen, Stall- und Außen-Arbeiten, Putzen der Pferde, Longieren und Reiten der Stute auf dem kleinen Reitplatz. Alle zwei Tage fuhr ich zum Hengst, der auf einem nahe gelegenen Reiterhof stand, und kümmerte mich dort um die anfallenden Arbeiten. Auf dem Gelände war ein großer Reitplatz angegliedert, und ich freute mich vorher schon, dieses Kraftpaket dort mal an der Longe laufen zu lassen. Putzen und Pflegen kam bei ihm natürlich auch nicht zu kurz. Die Besitzer – ein älteres Ehepaar – hatte ich gleich ins Herz geschlossen. Obwohl meine Spanisch-Kenntnisse in den Anfängen lagen, erklärten sie mir alles so lange, bis ich es verstanden hatte. Das war dann auch immer sehr lustig, denn es wurde mit Händen und Füßen „gesprochen“. In meiner Freizeit besuchte ich unter anderem das „weiße Dorf“ Ronda, das Gestüt Yeguada de la Cartuja Hierro del Bocado in Jerez, den Ort Mijas in den Sierras, das Naturschutzgebiet El Torcal und noch einiges mehr. Nach acht Wochen Aufenthalt in diesem faszinierenden Land mit tollen Erfahrungen im Gepäck machte ich mich auf die Heimreise und verließ den tiefblauen andalusischen Himmel mit der Gewissheit, wiederzukommen in das Land des Flamenco und der spanischen Pferde. „Hasta pronto Andalucía.“

Text und Foto: Petra Schneider